When Icarus Falls - Resilience

von Michael "Ear Terror" Eden

Bewertung: 7/10

When Icarus Falls - Resilience

Das Label Czar Of Crickets hat in den letzten Jahren einiges herausgebracht, was man nicht gerade als mainstreamig und massentauglich bezeichnen könnte. Außerdem kümmern sie sich gerne um Schweizer Bands, und das ist natürlich als Schweizer Label vernünftig. WHEN ICARUS FALLS wurde im Jahre 2007 gegründet und aus einem dunklen Universum gesendet, um der Menschheit ihre musikalischen Ansichten näherzubringen. Im Jahre 2009 erschien das Debüt namens "Over The Frozen Seas", und mittlerweile ist man beim vierten Album angelangt.

Wie oben schon erwähnt, machen die Burschen aus Lausanne es einem echt nicht einfach, denn die Musik ist nichts für Freunde der eingängigen oder schnellen Klänge. Ich gebe zu, dass ich mit den recht langen Stücken echt so meine Probleme habe, wobei der Opener "One Last Stand" echt sehr bedrohlich und dunkel aus den Boxen gekrochen kommt und einen irgendwie in einen musikalischen Rausch versetzt. Psychedelisch, dunkel und verträumt. "Into The Storm" setzt da nahtlos an. Irgendwie muss man sich fallen lassen, da die Parts recht lang sind und ein Riff öfters langgezogen wird, allerdings meistens mit kleinen Änderungen. So verfällt man in eine Traumwelt und Starre. Das Tempo ist meistens gleichbleibend langsam und kriechend, aber nicht doomig im eigentlichen Sinne. Die Musikrichtung muss man wohl als Post-Rock, Post-Heavy Metal oder Post-Hardcore bezeichnen. Da gibt es Ausflüge in den Blues-Bereich, Trips in die Elektro-Ecke, die aber zum Glück nicht überwiegen, und auch jazzige Reisen dürfen natürlich nicht fehlen. Das Ganze geht schon beinahe in die transzendentale Ecke. Es entstehen Bilder und Filme im Kopf, die eigentlich nur durch den spärlich eingesetzten Gesang zerstört werden, denn der ist recht aggressiv, wie z.B. bei "Into The Storm".

Beim Genuss der Musik muss ich irgendwie an die Hippies denken. Haben sie sich so nach dem ersten Schuss gefühlt, und nach dem Lesen von Hesses "Steppenwolf"? Sicherlich wäre dieses Album damals eine gute Begleitmusik gewesen. Wer nach dem Genuss dieser Welt positive Gefühle entwickelt, der sollte dringend zum Psychiater. Hier ist alles schwermütig, zerstörerisch und bedrückend. Allerdings würde ich nicht von depressiv sprechen wollen. Die Burschen nehmen die Seelenschmerzen von sich und setzen diese in musikalischer Hingabe um. Leiden um des Leiden Willens. Die Burschen haben sowohl in Europa, als auch in China getourt. Ich kann mir das aber irgendwie nicht vorstellen, nach solchen Songs abends noch gemütlich zehn Biere an der Bar zu vertilgen, hehe. Aber Übung macht den Meister. "Resilience", und vor allem der gleichnamige Song, ist schon echt starker Tobak, muss ich sagen. Aber je länger das Material läuft, umso mehr kann man sich fallen lassen und sich auf die Reise einlassen.

Fazit

Kein Zeug für den Mp3-Player, kein Zeug für's Joggen, sondern Musik für düstere Novemberabende in der ostfriesischen Landschaft. Ich bin in der Materie nicht so zu Hause, aber hier und da habe ich schon psychedelisches Zeug gehört, und ich muss sagen, da sind diese fünf Songs ganz oben dabei, da sie nicht zu kompliziert sind, sondern trotz ihrer technischen Ansprüche und Schwermütigkeit recht einprägsam sind. Wer die cleanen Parts bei NAILED TO OBSCURITY mag, der sollte sich dieses Album zulegen. Für Fans von ISIS, CULT OF LUNA oder DEAD CAN DANCE.

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