Stereotypical Working Class - Every Cloud Has A Silver Lining

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 7/10

Stereotypical Working Class - Every Cloud Has A Silver Lining

Bemerkenswert wenig auf sich aufmerksam machen konnte bis jetzt eine schon länger bestehende Rockband aus dem schönen Lyon. STEREOTYPICAL WORKING CLASS gibt es schon seit 1999, und doch sind sie mir erst jetzt untergekommen, als mir die 2014er Releases von Klonosphere Records vorgelegt wurden. "Every Cloud Has A Silver Lining" ist bereits das vierte Album der Franzosen, die allererste EP von 2003 nicht mitgerechnet. Zum Repertoire gehört neben zwei regulären auch ein Unplugged-Album. STEREOTYPICAL WORKING CLASS, so interessant der Name für eine altlinke Zecke wie mich auch klingt, scheinen sich in einer eher regionalen Szene zu bewegen, was auch die Referenz-Namen in der Bandbiographie vermuten lassen, die mir allesamt nichts sagen.

So abstrakt der Hintergrund der Band, so vertraut klingt ihr Output. Ich kann das Ganze irgendwie nicht so richtig eindeutig verorten, weil viele Elemente miteinander vermischt werden. Der erste Eindruck, der sich einem geradezu aufdrängt, ist die stark amerikanische Ausrichtung der Musik: zuallererst fühlt man sich an Pop-Punk á la SUM41 oder BLINK182 erinnert. So weit, so einfach, nur hält dieser Eindruck gerade einmal maximal einen Song, dann muss schon wieder relativiert werden. Dann kommen Sachen wie "Soon Enough" oder "Song For Kepler", die so einige progressive Melodien mit sich bringen, wie man sie eher von TOOL oder MUSE gewohnt ist. "Walking Over You" bringt dann ein Banjo-likes Intro mit, das einen fast an Bluegrass denken lässt, während die Gitarren in "Truth Or Consequences" einen am ehesten an die FOO FIGHTERS erinnern. Vollends geflasht war ich auch, als im selben Song auf einmal Shouting zu hören war. Hoppla! So viele verschiedene Referenzen kann man da finden, es bleibt nichts anderes übrig, als die Musik, die da auf dem Band gelandet ist, ein klassisches Potpourri zu nennen, das irgendwie zwischen allen Stühlen steht und doch mit einer Zehntel-Arschbacke auf jedem draufhockt.

Insgesamt kann ich schon feststellen, dass der Pop-Punk mit seinen straighten Riffs und dem prägnanten Blues-Bass das Grundgerüst bilden, die auch wirklich gut durchdacht und elaboriert wirken. Die Drums folgen als notwendige Rhythmus-Grundlage dem Schema und setzen nur selten eigene Akzente. STEREOTYPICAL WORKING CLASS wissen jedenfalls, wie sie sich in ihrem Metier zu bewegen haben. Der Gesang von Martin ist genretypisch klar und eher hell, sehr gefühlvoll, dürfte vielen relativ bekannt vorkommen. So ergibt sich ein Gesamtbild, das zwar den letzten Funken der Begeisterung vermissen lässt, trotzdem aber zu unterhalten vermag. Die Songs haben nicht unbedingt Hitcharakter, gehen aber ins Ohr - und prägnante Zeilen wie "Time is now or never" gehen, mit schöner Melodie ausgekleidet, runter wie das sprichwörtliche Öl. Zu begeistern vermögen die vier mich besonders dann, wenn die progressiven Parts überwiegen, aber das ist letztendlich Geschmackssache.

Anspieltipps: "Song For Kepler", "Perfect Frame", "Truth Or Consequences" als guter Querschnitt

Fazit

Ich komme nicht oft dazu, ein so linientreues und dabei so abwechslungsreiches Album zu reviewen. "Every Cloud Has A Silver Lining" ist dazu angelegt, ein breiteres Rock- und Pop-Publikum zu erreichen, geht aber leider zwischen besser promoteten Künstlern ein wenig unter. Gut gemachter Pop-Punk amerikanischer Färbung aus französischem Hause, der mit viel Liebe zum Detail aufwarten kann. Eignet sich auf die Dauer nicht für Hartwurst-Freaks, aber als Rock-Geheimtipp nicht zu verachten.

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