Promethean Fire - Narkissos

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 9/10

Promethean Fire - Narkissos

Die Maschine lebt! Es freut mich sehr und macht mich auch stolz, dass ich eine der ersten Direktanfragen reviewen darf, die unser noch junges Magazin über das Supportnetzwerk SYLU (Support Your Local Underground) erreicht haben. Innerhalb der Szene ist es uns ein wichtiges Anliegen, junge, noch unbekannte Bands zu supporten. Da bietet es sich doch an, die Werke der jungen Künstler auch einmal einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, denn Schrott promotet niemand. Heute sehen (hören) wir uns also die erste Veröffentlichung der Melodic Death Metal-Formation PROMETHEAN FIRE an, deren Name auf den griechischen Gott Prometheus zurückgeht, der der Legende nach den Menschen das Feuer gebracht hat. Seit dem Frühjahr 2010 gibt es die vierköpfige Band, die von der griechischen Mythologie fasziniert zu sein scheint. Ohne die Jungs vorher befragt zu haben, mutmaße ich einfach mal, dass Sänger und Schraddelkünstler Georgi griechische Wurzeln hat, womit eine Verbindung zum Thema hergestellt wäre. Diese erste Drei-Track-EP hört also auf den Namen "Narkissos". Alle Aufnahmen, die Produktion und die Herstellung der Hardcopy hat PROMETHEAN FIRE selbst übernommen. Ich muss neidlos anerkennen, dass die bei mir angekommene Hardcopy rein äußerlich über jeden Zweifel erhaben ist. Cover, CD-Bilddruck und selbst die Hülle machen einen äußerst hochwertigen Eindruck. Das Cover zeigt ein antikes Bildnis des Prometheus und lässt keine Zweifel offen, in welches historische Abenteuer wir uns da begeben. Dass die vier Metaler aus Kassel das Ganze über ihre eigene Internetseite für gerade einmal drei Euronen vertreiben, sollte wirklich ein Anreiz für jeden Sammler und Kenner sein. Aber gut, werfen wir zunächst einen Blick auf die Musik, denn zuallererst zahlen wir dafür, und nicht für eine hübsche CD.

Die gerade drei Tracks der EP erlauben es mir, auf jeden ein wenig näher einzugehen. Los geht es mit dem Titeltrack "Narkissos", der sich mit der antiken Sagengestalt gleichen Namens beschäftigt. Kurz dazu: Narkissos war der Sohn einer Nymphe, der ob seiner Schönheit vor allem sich selbst am meisten liebte. Viele, die sich in ihn verliebten, wurden unglücklich oder brachten sich gleich um, und am Ende wurde er vom Gott Artemis bestraft, der bewirkte, dass Narkissos sich in sein Spiegelbild verliebte. Unfähig, sein Spiegelbild zu umarmen, beging er Selbstmord. Narzissmus anyone? "Narkissos" jedenfalls beginnt ruhig und einfach. Das Drei-Akkord-Introriff wirkt ein wenig anspruchslos, doch die Drums im Hintergrund lassen schon erahnen, dass das noch nicht alles gewesen ist. Die Instrumente lockern für etwa eine halbe Minute ihre Muskeln, bevor das Strophenriff und der Gesang einsetzen. Den Spannungsaufbau finde ich sehr gelungen. Wir bekommen im Verlauf des Songs allerhand geboten, 32stel-Basskicks und Blastbeats, schöne Soli in verschiedenen Tempi, wohldefinierten Gesang, der sich zumeist in mittleren und tiefen Growling-Lagen bewegt. Das dominante Riff geht schön ins Ohr und neigt dazu, dort zu verweilen.

"Glory & Failure" folgt auf dem Fuße und dreht sofort auf. Klopft "Narkissos" noch sanft an, packt der zweite Song sein martialisches Kriegerambiente aus und zerschmettert selbige Tür mit dem Schwert. Mir liegen die Lyrics leider nicht vor, und da ich von Natur aus Songtext-Hörlegastheniker bin, verkneife ich mir an dieser Stelle Mutmaßungen über das genaue Thema von Track Zwei. Bis auf kurze Durchschnauf-Bridges lässt uns "Glory & Failure" keine Ruhe, lässt ein mörderisches Doublebass-Gewitter los, und wen das noch nicht von den Beinen fegt, den zerstückeln die nicht endenwollenden Schraddel-Riffs und die aggressiven Growls.

"I Tan I Epi Tas" komplettiert das Trio Infernale, und wieder einmal ist der Song so erfrischend anders als seine Vorgänger. Betitelt mit dem traditionellen Lebewohl-Spruch einer spartanischen Mutter an ihren in den Krieg ziehenden Sohn, erfreut Track Drei mich sofort mit einer atemraubenden Intro-Melodie, die fast zwei Minuten lang einige Variationen zeigen darf, bevor in den Strophenrhythmus übergegangen wird. Der längste Song der EP bietet sechseinhalb Minuten ansprechende Abwechslung. Damit lasse ich es auch gut sein, den Rest solltet Ihr Euch selbst geben.

PROMETHEAN FIRE treffen präzise wie ein Skalpell meinen Geschmack. Das "Melodic" beim Death Metal habe ich absichtlich in Klammern geschrieben, denn dieses Quartett setzt sich deutlich vom Melodic-Sammelbecken ab. Die Riffs und die Taktung haben teils progressive, technische Züge, die sehr lecker daherkommen. Nichts wirkt kopiert, nichts abgegriffen. Die Spielweise, die Melodiebildung, die sich teils an klassicher Musik zu orientieren scheint, ist der von BURIAL VAULT sehr ähnlich. Und da diese meine großen Lokalhelden sind, ist es kein Wunder, dass mir die PROMETHEAN FIRE-Mucke zusagt. Georgi hat eine etwas andere Stimmlage als Raimund Ennenga. Der Umfang nach oben ist entweder begrenzter oder wird nicht ausgereizt. Das ist lediglich als Bemerkung, nicht aber als Kritik gemeint. Sollte ich andere Vergleiche nennen müssen, würden mir zu einem kleinen Teil frühe Werke von IN FLAMES einfallen, wobei allerdings hier der Klargesang fehlt.

Fazit

PROMETHEAN FIRE sollte man nicht aus den Augen verlieren. Nahezu vier Jahre haben sich diese Jungs Zeit für ihre erste Veröffentlichung gelassen, und ich finde sie mehr als gelungen. Sie scheint das spielerische Spektrum der Band gut abzubilden und weiß auch inhaltlich Neugier zu erzeugen. Die Songauswahl ist gelungen, hätte man wahrscheinlich nicht besser machen können. Ich hoffe sehr, dass bald eine Plattenfirma auf diese Kasseler aufmerksam wird oder sich sonst eine Geldgrube auftut. Wenn PROMETHEAN FIRE diese grandiose Erstleistung auf ein komplettes Album übertragen können, steht uns ein technischer Death Metal-Kracher ins Haus.

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