Necrotted - Worldwide Warfare

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 6/10

Necrotted - Worldwide Warfare

Ah, NECROTTED, die Südlichter aus Abtsgmünd. Die sind mir noch in guter Erinnerung, nachdem ich vor drei Jahren ihr zweites Album "Utopia 2.0" reviewen durfte. Zu sechst angetreten, fand ich ihren damaligen Longplayer eigentlich recht frisch und in knüppeligen Gefilden sehr interessant. Diese sechs Mannen spielen eine moderne Interpretation brutalen Death Metals. Dabei treffen schnelle Doublebass oder sogar Blastbeats (recht inflationär eingesetzt) zumeist auf langsamer eingespielte Riffs, die sich auch mal zu Breakdowns hinreißen lassen. Das Ganze ist eine Melange aus Death Metal und Deathcore, vielleicht mag Slam Death da in Teilen zutreffend sein. Dabei darf aber nie das brutale Element vergessen werden, das bei NECROTTED viel Raum erhält.

Mit "Worldwide Warfare" macht das Sextett seine Auftakt-Trilogie an Studioalben komplett, und Kenner wissen, dass das dritte Album oft als das Wegweisendste einer Bandkarriere gilt. Wenn wir das auf NECROTTED anwenden, kann ich schon zu Beginn des Reviews resümieren, dass sie zwar die Pflicht gemeistert haben, es bei der Kür aber noch hapert. Will sagen, ohne das Debüt "Anchors Apart" zu kennen, ist mir der Drittgeborene nicht mutig genug. Klaro, NECROTTED-Kenner (Gibt es da sehr viele?) bekommen auf "Worldwide Warfare" genau das serviert, was sie an ihrer Band kennen und lieben. Und doch bleibt der Eindruck zurück, dass das Ding eigentlich ein wenig erwachsener hätte klingen dürfen. Ich mache das gern auch an konkreten Punkten fest. Nehmen wir zum Beispiel die Drum-Riff-Balance. Die Schießbude von Markus Braun hetzt ganz oft daher, dass es brutaler und schneller kaum noch möglich ist. Gepaart mit langsamer gespielten Gitarrenriffs ist diese Mischung eigentlich sehr lecker und unheimlich geil, wenn sie in richtigem Maß in Bridges eingesetzt wird. Ich hätte aber gerne gesehen, dass die Gitarren etwas mehr in der Lage gewesen wären, zu glänzen, was aber neben den oberfixen Drums kaum möglich ist, auch wenn die eingespielten Soli handwerklich gut gemacht und sehr gefällig gespielt sind. Aber gerade die Breakdown-Riffs brauchen einen Konterpart in den Saiten, gerade im brutalen Bereich.

Zu sehr hetzen mir die Felle zum Beispiel bei "Hunt Down The Crown", das deutliche Anleihen aus dem Schwarzmetall bezieht. Das Ganze wirkt wie irgendwo zwischen Brutalität und Groove gefangen. In anderen Tracks kann diese besondere Mischung jedoch mehr glänzen, "Unity Front", zu dem es auch eine Videoauskopplung gibt, hat mir zum Beispiel sehr zugesagt. Die Vocals sind noch eine ganz eigene Geschichte. Wir haben hier zwei Kollegen, die sich üblicherweise abwechseln - einer shoutet, einer growlt, in immer gleichem Wechsel. Ganz ehrlich, das ist vom Effekt her super und hört sich wirklich gut an, wird auf die Dauer aber öde. Gerade bei dem vorher erwähnten "Unity Front" hätte ich mir mehr Mut gewünscht, und dass einige der Zeilen vom Wechselgesang mal auf anständige Gangshouts erweitert worden wären. Gerade bei der dem Hardcore entlehnten Thematik (und da von dort ja sowieso ursprüngliche musikalische Anleihen stammen) wäre das passend gewesen.

Letzten Endes muss ich konstatieren, dass ich mich auch nach intensivem Hören schwer tue, bestimmte Titel zuzuordnen. NECROTTED machen schon gute Mucke, schaffen es aber einfach nicht, Eingängigkeit und Wiedererkennungswert beim Hörer zu schaffen. Man kann schon erkennen: "Aha, das klingt nach NECROTTED." Aber mehr eben auch nicht. Man kann die beiden Bands jetzt musikalisch nicht wirklich vergleichen, aber ENDSEEKER zum Beispiel schaffen es spielend leicht, ein Riff auszupacken, das den Hörer bei den Eiern greift und nicht mehr loslässt. Das Gefühl vermisse ich bei NECROTTED, auch wenn der gewisse Groove und der Drive grundsätzlich vorhanden sind.

Fazit

Was NECROTTED unheimlich gut gelingt ist der Spagat zwischen Deathcore und Death Metal, der niemanden aus den beiden Lagern verschrecken wird. Wechselnde Shouts und Growls, sowie ein wahnsinnig schnell agierender Drummer über zurückhaltenden Gitarren können durchaus überzeugen! Eine gute Leistung, die ein typischer Sechseinhalber wäre. Obwohl auf gleichem Niveau wie der Vorgänger, habe ich mich dazu entschieden, einen Punkt weniger zu geben, da ich mir vom dritten Album mehr erhofft hätte.

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