Iron Walrus - The Plague

von Wilke F.

Bewertung: 9/10

Iron Walrus - The Plague

Was sind eiserne Walrösser? Eine Typenbezeichnung des Militärs für eine neue U-Boot-Klasse? Vielleicht ein amphibisch ausgelegter Panzer mit brachialer Feuerkraft? Mitnichten, aber zumindest ist der martialisch-assoziative Ansatz nicht ganz verkehrt: Iron Walrus sind eine Sludge/Doom-Band und sie ballern ganz in der Tradition von Crowbar mit tonnenschweren Riffs um sich, bis kein Stein mehr auf dem anderen steht.

In 2013 gegründet, veröffentlichten die fünf Osnabrücker bereits ein Jahr später ihr Debütalbum "Insidious Black Sea". Mit dieser Scheibe sorgte das Quintett schnell für mächtig Furore und so ergab es sich, nicht zuletzt dank ihrer unermüdlichen Live-Spielfreude, dass zusammen kam, was zusammen gehörte: eine gemeinsame Europatour mit Crowbar selbst stand plötzlich an. Eine ausgezeichnete Gelegenheit Fans zu sammeln und ganz nebenbei noch die Songs der neuen Scheibe "The Plague" zu präsentieren. Genau jenes Album, das hier nun zur Rezension vorliegt.

Während auf "Insidious Black Sea" noch unvermittelt losgeholzt wurde, gönnt man sich auf der zweiten Veröffentlichung diesmal mit "Here Comes The Plague" ein ruhiges, bedrohliches und atmosphärisches Intro um den Zuhörer abzuholen... natürlich nur, um ihn im Anschluss bei "The Answer" wieder mit aller Gewalt die komplette Soundwall-Keule an hirnmassen-schmelzenden Riffs um die Ohren zu feuern. Die Vocals bewegen sich stets auf dem schmalen Grat zwischen grollender Brutalität und dem Hauch von Melodie, ganz so wie man es vom Debütalbum kennt, ganz so wie man es nicht anders haben will. Wie bei den meisten Songs groovt und poltert es hier herrlich kraftvoll im Mid-Tempo-Bereich. Schwer und vollmündig böllert der Sound aus den alten Boxen, drückt ins Gesicht und animiert zum munteren Kopfschütteln. Die finstere Stimmung, mit sinnbildlich grimmig geballter Faust passt perfekt zum Feierabendbier, also drehe ich weiter am Volumeknopf. "Blessed" bringt etwas mehr Melodie in den Refrain und mausert sich schnell zum echten Ohrwurm. Das kurz und knackige Gitarrensolo in der Mitte setzt dem musikalischen Gebräu die Schaumkrone auf. Herrlich, so kann es weitergehen. "Balanced" bolzt in ähnlicher Manier weiter, gönnt den Ohren bei all seiner stampfenden Hämmerei aufs Trommelfell aber auch eine psychedelisch anmutende Ruhephase im Mittelpart, die sich erst langsam wieder zum dramatischen Höhepunkt hochschraubt. Im darauf folgenden Track namens "Judas" bekommt sogar der sonst eher hintergründig wirkende Bass seine Bühne. Die Hook ist eingängig und ich ertappe mich dabei, wie ich das Bier beiseite stelle um Arme und Beine ein wenig durch zu schütteln. "I Hate People" kommt eine ganze Spur schleppender daher. Der Doomanteil ist deutlich höher und so wirkt der Song gleich noch mal zwei Tonnen schwerer. Der Titel ist einer meiner persönlichen Favoriten von "The Plague" und so reiße ich das Fenster auf, damit meinem Nachbar auch garantiert das Lächeln aus dem Gesicht fällt. Mit berechtigterweise erhobenem Zeigefinger geht es belehrend auf "Medial Sin" weiter. Dass sowas richtig Laune machen kann, beweist spätestens das wohlige Gefühl, dass sich bei der zwischendurch einsetzenden, leidenschaftlichen Frickelei des Gitarristen einstellt. Auch die stärker kontrastierten Vocals wissen zu begeistern. "At Work" kloppt herrlich gefrustet daher, während "Common Sense" wieder geringfügig das Tempo raus nimmt – eine schleppend schreitende Doom-Nummermit jeder Menge Wiedererkennungswert. "The Seal Of Fate" fungiert als ruhiger Rausschmeißer der Platte, ein sehr gelungenes, bassgeführtes Outro mit Meeresrauschen.

Fazit

Große Innovationen sucht man auf dieser Scheibe freilich vergebens aber die müssen meiner Meinung nach auch nicht zwingend sein. "The Plague" wirkt vornehmlich in seiner Gesamtheit und bietet einfach genau die dreckig brutalen Riffs, die ein Freitagabend samt Sechserträger benötigt. Zwar gibt es auf ihrem Zweitwerk keinen außergewöhnlichen lyrischen Ausreißer wie "Erdbeermund" mehr, jedoch wirkt dadurch das Album im Ganzen auch flüssiger. Besonders beeindruckend ist die Balance zwischen Riffriding, kleinen Höhepunkten, Effekten und der jeweiligen Spielzeit der Songs. Dort finden Iron Walrus stets das perfekte Maß. "The Plague" wird definitiv noch verflucht oft in meiner Anlage rotieren, soviel ist sicher.

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