Horn - Turm Am Hang

von Malte H.

Bewertung: 9/10

Horn - Turm Am Hang

Recht regelmäßig ist darauf Verlass, dass der deutsche Schwarzmetall-Einer HORN ein neues Album veröffentlicht. Überwiegend im Zwei-Jahres-Rhythmus bringt Mastermind Nerrath seine Scheiben auf den Markt, und so ist es nicht verwunderlich, dass Anfang dieses Jahres – zwei Jahre nach "Feldpost" – das jüngste Werk HORNs das Licht der Welt erblickte. Das mittlerweile siebte Album der Kapelle hört auf den Namen "Turm Am Hang" und treibt die auf den letzten Alben begonnene Entwicklung auf den Höhepunkt. Die Zeiten klirrend kalten Black Metals sind im Hause HORN schon etwas länger vorbei. War die Ausrichtung der Band anfangs noch auf eine im Schwarzmetall nicht unübliche Wald-und-Wiesen-Thematik (sprich: Naturromantik) ausgelegt, dominieren mittlerweile sperrige Themen wie Krieg und Tod die Musik der Band. Doch so wie auf "Turm Am Hang" präsentierte sich das Ein-Mann-Projekt bisher nur in Ansätzen. Die klirrend kalten Gitarren sind mittlerweile recht dreckig drückend, die heiseren Schreie wurden durch fiese Growls ersetzt und generell wirkt die Produktion druckvoller und klarer. Passt nicht nur zur Thematik, sondern erinnert an einigen Stellen auch an das starke Nebenprojekt LICHT ERLISCHT (ebenfalls ausschließlich mit Nerrath besetzt).

Bereits im Opener "Alles In Einem Schnitt", welcher durch das alte Volkslied "Es Ist Ein Schnitter" inspiriert wurde, offenbaren sich alte HORN-Trademarks in neuem Gewand. Stark melodisch und treibend geht der Song von der ersten Minute an direkt gut ins Ohr. Nach einem starken Auftakt geht es mit dem Titeltrack nochmal eine Etage höher. "Turm Am Hang" hat alles, was ein geiler Song so braucht: coole Melodiebögen, treibende Drums, sehr rhythmische Vocals und einen Refrain, der sich im Hirn festbrennt. In Letzterem treten übrigens verhältnismäßig klare Vocals auf, die sich exzellent ins Klangbild des Songs einfügen. Definitiv ein Highlight auf dem Album und ein absoluter Anspieltipp. "Verhallend In Landstrichen" startet mit einem kurzen Intro, ehe – begleitet von stampfenden Schritten – groovige Riffs einsetzen. Nicht schlecht, aber nach dem starken Titeltrack ein leichter Abfall des Spannungsbogens. Es wäre auch schwer gewesen, das Niveau des Titelsongs zu halten oder gar zu steigern. Trotzdem ist "Verhallend In Landstrichen" ein guter Song, der jedoch nicht vollkommen herausragen kann. Durch die cleanen Gitarren kommt bei mir irgendwie ein starkes LICHT ERLISCHT-Gefühl auf. Im Verhältnis zum bisher Präsentierten startet "Die Mit Dem Bogen Auf Dem Kreuz" sehr ruhig und lässt durch seine "Ooooh"-Chöre aufhorchen. Doch die entspannte Atmosphäre ist trügerisch, da der Song alsbald mit einem wilden Schrei richtig in die Vollen geht. Die Melodie ist kalt und unterstreicht die Ausrichtung nahe des Black Metals, der dazu in leichtem Kanon vorgetragene Gesang trägt sein Übriges zu einem weiteren sehr guten Song bei.

Nahtlos ist dann der Übergang zu "Ä(h)renschnitter". Wer nicht aufpasst, könnte meinen, hier noch immer denselben Song zu hören. Wobei trotz treibenden Rhythmus und eingängiger Melodie der Song, ähnlich wie "Verhallend In Landstrichen", etwas unter seinem starken Vorgänger leidet. Nicht so extrem, aber schon auffällig. Eine weitere Parallele zum dritten Song der Scheibe offenbart sich mit "Totenräumer", dem sechsten Song des Albums: Auch nach "Ä(h)renschnitter" folgt eine richtig coole Nummer, die Groove und Eingängigkeit auf "Turm Am Hang" auf die Spitze treibt. Freunde, ich kann mir nicht helfen, der Kopf muss bei dem Stück zwangsläufig mitwippen. Der Song nimmt von Anfang an keine Gefangenen und zieht den Swing bis zum Ende durch. Simpel, brachial, geil! "Lanz Und Spieß" ist dann ein eher psychedelisches Instrumental, welches in den letzten echten Song von "Turm Am Hang" übergeht (das abschließende Cover sei gesondert betrachtet). "Bastion, Im Seegang Tauber Fels" schließt somit den eigentlichen "Turm Am Hang" ab. Und zwar auf recht simple, erneut groovige und eingängige Art und Weise. Im Prinzip fasst der Song das Album nochmal zusammen, und wieder kann man sich aufgrund der cleanen Gitarren nicht davor verschließen, hier an LICHT ERLISCHT denken zu müssen. Wahrscheinlich ist "Bastion, Im Seegang Tauber Fels" der Song, der dem Nebenprojekt am nahesten kommt.

Von mir absichtlich ausgeklammert findet sich ganz am Ende von "Turm Am Hang" nochmal ein echtes Highlight wieder, welches aufgrund seiner Art definitiv nicht zu den restlichen Songs passt, dadurch aber so wunderbar funktioniert. Gemeint ist das Cover von WHEN BITTER SPRING SLEEPS‘ "The Sky Has Not Always Been This Way". Nicht nur, dass Nerrath hier die meisten Vocals Lord Sardonyx von eben jener gecoverten Band überlassen hat, er schafft sogar das Kunststück, das eher im Ambient Black Metal angesiedelte Original zu übertrumpfen. Vor allem der im Duett vorgetragene Refrain geht einfach nur unter die Haut. Das reduzierte Drumming und die zurückgenommenen Gitarren tragen ihr Übriges dazu bei, dass "The Sky Has Not Always Been This Way" sich vollkommen vom Rest der Scheibe abhebt. Bärenstarkes Cover. Und bitte tut mir den Gefallen und lest Euch den Text mit Sinn und Verstand durch. Hier steckt viel Wahres drin.

Fazit

Der Umbruch im Hause HORN ist vollständig vollzogen. Wo "Konflikt" und "Feldpost" noch nicht so richtig wussten, wo sie hinwollten, ist "Turm Am Hang" am Ziel angekommen. Das jüngste Werk des deutschen Einers ist rundum gelungen. Zwar kann Mastermind Nerrath das durch Songs wie den Titeltrack, "Die Mit Dem Bogen Auf Dem Kreuz" oder "Totenräumer" sehr hoch angesiedelte Niveau nicht konstant halten. Trotzdem schwingt sich "Turm Am Hang" zu einem der besseren Alben dieses Jahres auf. Die Scheibe rotiert bei mir in Dauerschleife und hat es sogar geschafft, die neue SATYRICON aus der Anlage zu verbannen. Das abschließende WHEN BITTER SPRING SLEEPS Cover rundet gerade durch seine Andersartigkeit die Scheibe stark ab. Besonders schön auch, dass die Vocals bis auf einen zweistimmigen Refrain komplett Lord Sardonyx überlassen wurden. Jeder Freund deutschen Schwarzmetalls muss hier mindestens mal ein Ohr riskieren. Und auch sonst darf der geneigte Metalhead gerne mal auf einschlägigen Musikportalen nach HORN suchen. Hier weiß jemand, wie man gute Musik macht. Daher kann man, wenn man schon sucht, gleich mal in LICHT ERLISCHT reinhören...

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