Highrider - Roll For Initiative

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 4/10

Highrider - Roll For Initiative

"Würfel' mal für Initiative". Eingeweihte unter Euch kennen diesen Satz allerbestens, denn damit sagt einem der Dungeon Master üblicherweise, dass es jetzt richtig zur Sache geht. "Roll For Initiative" ist dann auch der Titel des ersten Longplayers der Schweden HIGHRIDER, herausgebracht im September über The Sign Records. Die 2013 gegründete Gruppe hat im letzten Jahr bereits eine EP namens "Armageddon Rock" als Vorbereitung auf den großen Wurf ins Rennen geschickt. Rollenspiel-Romantik, Heavy Metal im Label und das minimalistisch anmutende Cover mit dem behelmten Berserker waren die Gründe, weswegen es unbedingt zu einer Besprechung kommen sollte.

Kauzigen, knarzig-oldschooligen Metal hatte ich schon erwartet, dennoch war der erste Eindruck von "Roll For Initiative" anders, als ich ihn erwartet hätte. Gut, der Begriff Heavy Metal als solcher ist recht weit gefasst, dennoch habe ich sowas wie 80er Eiergriff-Hartwurst erwartet. Stattdessen servieren HIGHRIDER etwas, das mir viel eher nach Speed/Thrash Metal als nach irgendetwas anderem schmeckt. Das Drumming läuft sehr häufig im fix gespielten D-Beat ab, die Gitarren shredden ziemlich thrashig daher. Dazu keift Vokalist Andreas Fagerberg in einer immer gleichbleibenden Tonlage, die mich an DESTRUCTION denken lässt, teilweise vielleicht auch an ANNIHILATOR. Schmier und Waters machen's aber besser. Der wesentliche Unterschied zu puristischem Knüppelmetall sind die begleitenden Keys, die dem Ganzen einen Hauch von Epik verleihen, richtig eingesetzt aber auch manchmal doomig daherkommen. Doomig ist eine Variante, die HIGHRIDER können, wie sie etwa beim Intro von "A Burial Scene" beweisen. Ich muss diese Anmerkung auf das Intro begrenzen, weil sie dann in meinen Augen einen Fehler begehen, indem sie schon nach kurzer Zeit in ihren üblichen mittelschnellen D-Beat verfallen und wieder shredden.

Eine gesonderte Erwähnung muss die Produktion erhalten, denn ein Stück weit steht und fällt das Gesamtbild von "Roll For Initiative" mit ihr. Soundnostalgiker werden zumindest in Teilen begeistert sein. Organisch würden manche den Sound vielleicht nennen: Es rumpelt, es knarzt, es scheppert, es brummt, es kratzt an allen Ecken und Enden. Entweder, das Ding wurde auf Mamas Kassettenrekorder aufgenommen, oder man wolle mit aller Macht den Oldschool hochhalten, obwohl der Herr Oldschool eigentlich gerade gemütlich in seiner Leseecke sitzen wollte. Für mich ist das too much, es wirkt gezwungen und einfach auch übertrieben. Hier und da erhasche ich einen flüchtigen Eindruck von Cowbells ("Roll Dee Twenty"), die aber fast komplett untergehen. Die Gitarren kommen im Zerrmodus ganz gut damit klar, denen macht das nichts. Der Bass schnarrt lediglich etwas, was ja aber gewollt sein kann. Die großen Verlierer sind hingegen die Drums, die oft dumpf wirken, und letzten Endes der Gesang, bzw. noch viel mehr die Lyrics.

Ich bin ja so oder so der Master of Misheard Lyrics, aber die Zeilen zu verstehen, die Fagerberg hier runterplärrt, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht nur ist sein Gekeife an sich schon schwer zu verstehen, nein, er nuschelt auch noch fies und die Produktion tut ihr übriges. Außer mal hier und da eine Zeile im Refrain und einzelne Wortfetzen verstehe ich nichts. Null. Nada. Das hat mich am Ende am meisten enttäuscht, denn das vielversprechende Thema "Roll For Initiative" verpufft so zu reiner Makulatur. Für mich nicht weiter erkennbar. Ich wäre auch gerne tiefer in die Themen des Titelsongs, der passend "Roll Dee Twenty" heißt (und im Refrain wiederum "Roll For Initiative" skandiert), oder von Stücken wie "Vagina Al Dente" eingetaucht, aber nein. Die Beschäftigung mit dem lyrischen Schaffen bleibt auf insgesamt weniger Worte beschränkt, als Arnold Schwarzenegger im ersten "Terminator" spricht. Da der Gesang ansonsten auch eher schwächelt und das Songwriting keine wirklichen Akzente setzen kann mit dann zu simplen und austauschbaren Riffs und Hooks, kann ich nur mit etwas gutem Willen eine mittelmäßige Wertung erteilen.

Fazit

Schade, "Roll For Initiative" hat mich wirklich enttäuscht. Die vielversprechende Fassade bröckelte in Rekordzeit und entlarvte Sound- und Genremix recht schnell als Versuch, ein Alleinstellungsmerkmal zu kreieren, der meiner Meinung nach im Ansatz gescheitert ist. Zu große Mankos beim Sound und ein schwacher Sänger lassen HIGHRIDER schlechter aussehen, als die Instrumentalarbeit durchblicken lässt. Diese Jungs haben Potential, das im Moment noch nicht richtig gesteuert ist. Gitarren- und Drumarbeit sind nicht überragend, aber gut, werden nur leider vom vordergründigen Nerv-Faktor überlagert, der es auch schwierig macht, einzelne Stücke im Kopf zu behalten. Das Gesamtwerk ist eher anstrengend, und ich werde es nicht mehr auflegen.

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