GumoManiacs - Out Of Disorder

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 7/10

GumoManiacs - Out Of Disorder

Nicht immer erreicht uns in der Reaper-Gruft grabfrische Neuware. Re-Releases sind nicht unüblich, zumeist liegt aber schon eine ganze Weile zwischen der Erstauflage einer Scheibe und ihrer Wiedererweckung - der Drittgeborene "Out Of Disorder" von den Regensburger Thrashern GUMOMANIACS, um den es hier geht, erschien allerdings erst im Mai 2014 auf CD über Golden Core/ZYX. Trotzdem flatterte jüngst die Review-Anfrage zum Zweitstart in die heimische Redaktionsstube. Da wird man hellhörig, denn entweder war die Scheibe dermaßen beliebt, dass man noch einmal nachpressen muss, oder es gibt andere gute Gründe, warum eine vergleichsweise kleine Band noch einmal viel Geld in die Hand nimmt, um ein Re-Release, in diesem Fall sogar noch auf Vinyl und mit neuem Mastering, zu realisieren.

Licht ins Dunkel bringt ein Blick auf das umfangreiche Begleitschreiben, das deutliche Worte findet und kein gutes Haar am mittlerweile ehemaligen Label lässt. Die genauen Vorgänge kenne ich nicht, aber es scheint, als habe es starke Differenzen zwischen Band und Label gegeben, was Albenkomposition und Produktion angeht. Die GUMOMANIACS nutzen die Gelegenheit zu einem Rundumschlag gegen allzu moderne Bombast-Produktionen, bemängeln die Überproduktion vieler Scheiben, die, so der Tenor, der Musik die Seele nehmen. Ich weiß jetzt nicht, ob man moderne Produktionstechniken generell verteufeln muss, denn es gibt genügend Studios und Produzenten da draußen, die die Techniken wirklich einzusetzen wissen, und die Erfahrungen der Regensburger hören sich für mich mehr danach an, dass man mit dem Label und dem konkreten Produktionstechniker nicht besonders gut beraten war. Nach der hier geschilderten Darstellung war schon das Finish der CD ein Tauziehen, das in einen Kompromiss mündete. Folgerichtig trennten sich die MANIACS später von Golden Core und legen nun die Vinyl-Version mit frischem Touchup selbst neu auf, was sie als echte Musikliebhaber auszeichnet.

Auf "Out Of Disorder" erwartet uns straighter, altschuliger Thrash, rotzig und mit Schmackes in der Hose. Die Soundlinie zieht sich über weite Strecken des Albums schnurgerade dahin, verläuft in meinen Ohren irgendwo zwischen SLAYER und TESTAMENT. Flinke Drums, klassisches Thrash-Riffing und schnarrender Sprechgesang bestimmen das Bild. Mangelnde Technik oder Finesse kann man den Regensburgern kaum vorwerfen, in ihrem Gewässer bewegen sie sich sehr selbstsicher. Immer wieder gern höre ich auch die ausgeprägten Basslines, die oft genug die Hörschwelle überschreiten und mit viel Groove überzeugen können. Es gibt genug Positives über "Out Of Disorder" zu sagen, deswegen bin ich selbst ein wenig am Rätseln, warum die Songs nicht mehr hängen bleiben. So einige Aha-Momente gibt's ja schon, wie die markante "In life there is no action / Without reaction"-Zeile im Titeltrack oder der ruhige, akustische Ausklang im darauf folgenden "Poetry In Black". Und trotzdem: Die versprochenen Mitsing-Hymnen habe ich nirgends gefunden (das ANNIHILATOR-hafte "Paranoia" kommt dem vielleicht noch am nächsten). Headbangen und abfeiern kann man die zehn Songs aber allemal, da sind sie mehr als gut genug. Top notch-Metal erster Güte ist das jedoch nicht.

Vielleicht liegt das auch am über die Länge etwas eintönigen Sprechgesang von Daniel Reiss, der selten genug mal durch Bandshouts aufgelockert wird ("Paranoia"). Andererseits verstecken sich zwischen den starken Nummern des Silberlings auch mal welche, deren Gesicht man sich einfach nicht merken kann ("Broken Dreams", "Weight Of Words" und Konsorten). Oder man hätte den einen oder anderen Track an eine andere Stelle im Album setzen können. "Poetry In Black" zum Beispiel hätte mit dem sanften Übergang in das akustische Outro und den geflüsterten Textzeilen eigentlich besser als Rausschmeißer dagestanden, umso mehr, da am Ende "All has been said" skandiert wird. Die Wahl der Nummer zehn fiel dann aber auf "Final Curtains", und der Song wiederum hätte mit seinen monumentalen zehn Minuten Spielzeit auch nirgendwo anders hingepasst. Nicht nur von der Länge her ist "Final Curtains" eine Ausnahmeerscheinung. Wie beschrieben steht der Zeiger neun Songs lang auf purem Thrash, hier allerdings werden die GUMOMANIACS auf einmal ausladend, verspielt, melodisch, sogar hymnisch. Über weite Strecken erkennt man kaum noch die Knüppelwurzeln, das Ding wäre auch im Melodeath gut zu Hause gewesen. Insgesamt wirkt es so dem Album ein wenig entrückt und auch ein wenig überlang.

Die Stärken liegen da deutlich eher in den straighteren Songs, die sich auch stärker in die zuhörenden Hirnwindungen thrashen. Diese Songs sind dann auch meine Anspieltipps geworden. Rein musikalisch ist "Out Of Disorder" ein klassischer Sechseinhalber, bei dem die neue Produktion aber das Zünglein an der Waage zur Sieben ist. Das Vinyl-Mastering ist deutlich schöner zu hören, klingt satter und tut beim Hören auf hohem Pegel nicht so weh wie die CD-Version. Letztere hat zuviel Loudness auf dem Gesang, zu viele Höhen bei den Gitarren und zu wenig Druck untenrum. Kurzum ist der neue Mix wesentlich ausgegorener. So viel Mühe sollte belohnt werden.

Anspieltipps: "Out Of Disorder", "Poetry In Black", "Paranoia", "John Rambo"

Fazit

Guter, hausgemachter Old School Thrash, der nochmal frische, neue Kleider erhält. Wer auf altschuligen Kram ohne Schnörkel steht, ist bestens bedient. Ich persönlich lasse mich von solcher Mucke gern nebenher oder auf Parties berieseln. Wer kann, sollte sich unbedingt die LP besorgen, denn nicht nur die Haptik ist wesentlich cooler, die Platte klingt auch viel besser als die Laserdisc. Die Neuauflage hat sich mal gelohnt!

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