GumoManiacs - By Endurance We Conquer: Demons & Damnation

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 8/10

GumoManiacs - By Endurance We Conquer: Demons & Damnation

Ha, die GUMOMANIACS sind mir in guter Erinnerung geblieben. Vor fast zwei Jahren durfte ich ihren Release "Out Of Disorder" besprechen, und die Thrash atmenden und blutenden Regensburger haben direkt einen Rant zur Hardcopy gelegt, der mit der künstlerischen Einschränkung durch Labelvorgaben abgerechnet hat. Straighter Thrash, Old School as fuck, dafür stehen die GUMOMANIACS, und da kennen sie auch keine Kompromisse. "By Endurance We Conquer" heißt die kommende VÖ, die über das non profit DIY-Label Ghost Town Noize veröffentlicht wird. Und die hat es ganz schön in sich, denn der erweiterte Titel "Demons & Damnation" nimmt vorweg: Das hier ist eine Doppel-CD. Zwanzig neue Songs mit nicht ganz anderthalb Stunden Thrash, das lässt das Knüpplerherz höher schlagen. In dem Zusammenhang scheint "By Endurance We Conquer" gleich in zweierlei Hinsicht das Motto dieser Schaffensphase zu sein. Einmal braucht eine Metalband heutzutage natürlich Durchhaltevermögen, um zu bestehen, und ganz konkret beweist die Doppelscheibe genauso Ausdauer, auch wenn der Titelsong an sich was ganz Anderes zum Thema hat.

Wer die vorangegangenen Werke von den GUMOMANIACS kennt und schätzt, der wird hier zumeist nicht überrascht, allerdings auch nicht enttäuscht. "Demons" skankt sich komplett durch, der erste Silberling gibt von vorne bis hinten Gas. "Gumo" lässt in gewohnter Weise sein Organ den Text runterschnarren, alles beim Alten hier. "Air" legt ein strammes Tempo an der Schießbude vor, dominiert mit Uftas, die wesentlich häufiger als die Doublebass durchsprinten. Die Riffs und Hooks sind straight und knallen, richtig stark sind sie aber, wenn sie mal ein bisschen alternieren und Takt und Melodie um ein Viertel versetzen. Besonders haben es mir da "The Goblin" und "Apex Predator" angetan. Aber auch das altbewährte Zeug ist nicht von schlechten Eltern, und mit dem einen oder anderen Galoppriff konnte man mich sowieso schon immer begeistern. Ich denke, man liegt nicht damit falsch, wenn man "Demons" irgendwo zwischen OVERKILL, DESTRUCTION und SODOM verorten will. Aber bei einer Ode an 30 Jahre Thrash-Geschichte würde wahrscheinlich jeder Vergleich irgendwo ein bisschen zutreffen. Wenn man unbedingt Kritik anbringen will, könnte man noch konstatieren, dass einige Stücke ein bisschen arg platt geworden sind, vor allem textlich, wie z.B. der Rausschmeißer zum Ersten, "Total Denial".

Was da aber nur ganz am Rande sauer aufstößt, ist nach den ersten Minuten von "Damnation" sofort vergessen. "Hellcome Home" schlägt völlig neue Töne an und kann mit einem schön arrangierten Gitarrenintro auf ganzer Linie überzeugen. Die zweite Langrille ist immer noch zu 100% Thrash, aber hier wird auch mal ein bisschen Epik und Bombast rausgeholt ("Siege Of Sardis") und auch beim Tempo auf die Bremse getreten (außer bei "Billy The Kid" und dem Titelsong vielleicht). Wenn die Jungs jetzt "Bombast" lesen, rümpfen sie wahrscheinlich ihre Riechzinken, weil der Begriff ziemlich negativ besetzt ist. Ich meine das aber im allerbesten Sinne. Ich habe für Epic Metal ziemlich viel übrig, und gerade das eben angesprochene Instrumental "Siege Of Sardis" hat eine Tonne davon, besitzt viele leckere Wechsel und punktet mit verspieltem Tapping. Die GUMOMANIACS gehen hier für ihre Anhängerschaft ungewohntere Wege und toben sich mal ein bisschen mit Stücken aus, die Atmosphäre erzeugen - also eine andere Atmosphäre, als "Moshen bis zum Umfallen".

In dem Sinne hat das Oberpfälzer Quartett auf eventuell getrennte Fanlager Rücksicht genommen: Thrash-Puristen mögen vielleicht lieber "Demons" auflegen, und diejenigen, die der Moderne gegenüber mehr aufgeschlossen sind, zieht es vielleicht mehr zu "Damnation". Wobei mir das mal gerade so auffällt - ist der Titel vielleicht eine Anspielung? Die Moderne, die Verdammnis? Obwohl, vielleicht interpretiere ich da zu viel hinein. Eine gesonderte Erwähnung verdient jedenfalls noch der Rausschmeißer zum Zweiten, "Cydonia". Der Name kam mir zuletzt unter beim Über-Song "Knights Of Cydonia" von MUSE. Nicht weniger episch erzählen die MANIACS vom Scheitern einer Mission zum Mars für das Überleben der Menschheit. Ein krasser Zwölfminüter ist daraus geworden, und der bietet rasante Action, stimmungsvolle Interludes und sowieso alles, was man von einem Thrash-Epos erwarten kann. Da haben sie nochmal ein richtiges Ausrufezeichen ans Ende der zweiten CD gesetzt - wobei man auf der Suche nach Ausrufezeichen nicht bis ganz zum Schluss skippen muss, auch ansonsten hat "Damnation" genug Leckerlis zu bieten.

Anspieltipps: "Lady Leech", "The Goblin", "Apex Predator", "Hellcome Home", "Damnation", "Cydonia"

Fazit

Wow, unter dem Strich ist "By Endurance We Conquer" ein wirklich beeindruckendes Doppelwerk geworden! Eine "Demons" hätte ich von den GUMOMANIACS ja erwartet, ein Feuerwerk an Thrash-Knallern mit Tempo und oldschooligem Flair. "Damnation" hat mich dann aber weggehauen, mit für die eigenen Verhältnisse sehr experimentellem, aber überzeugendem Songwriting und einer ganzen Wagenladung Epik. Trotzdem ist hier alles immer noch Thrash, was tönt, und diesen Rundumschlag dürfen sich Mosher aus allen Epochen gern mal geben. Zieht's Euch rein, damit haben sich die MANIACS zum Zehnjährigen ein Denkmal gesetzt, das fetzt wie Sau!

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