Grai - Ashes

von Michael "Ear Terror" Eden

Bewertung: 7/10

Grai - Ashes

Diese Russen sind mir völlig unbekannt und warten gleich mit zwei Sängerinnen auf. Seit 2005 sind sie quasi schon dabei, vorher unter den Namen RAVEN BLOOD und BOPOR, und seit dem Jahre 2007 hören sie auf den Namen GRAI. Mittlerweile ist man beim vierten Album angelangt. Geschrieben ist der Name auf Russisch und deswegen für mich nicht lesbar. Identifikation pur. GRAI heisst soviel wie "Rabengeschrei". Ok, da weiß man schon, was einen erwartet. Grind wird es nicht sein. Langsam, mythisch und verträumt, mit einer Frauenstimme besetzt wird der Weg eingeläutet, der dann mit dem Track "Song Of Dead" so richtig losgeht. Der Song wird auch langsam aufgebaut, mit Flötenklängen und Frauengesang, bis dann der Metalpart einsetzt, gepaart mit Grunzvocals. Kommt ganz gut, ist aber sicherlich nicht mein Ding. Folk und Metal passen aber durchaus zusammen, wie dieser Song es mir mal wieder beweist. Interessant ist auch, dass die Titel auf Englisch sind und auch die Texte im Booklet, aber gesungen wird auf Russisch.

Auch "A Water Well", das nachfolgende Stück, zeigt mir, dass diese Art von Musik nicht meine ist, aber natürlich versuche ich, so objektiv wie möglich heranzugehen. Neu ist das Ganze nicht, auch nicht der Einsatz von metalfremden Instrumenten. Der Einsatz von Maultrommeln und Dudelsäcken kommt aber immer wieder sehr geil, da ich diesen Sound ja kaum höre. Dazu gesellen sich recht geile Riffs, die angenehme Stimme der Lady und Doublebassparts. Hm, kommt nicht übel, der Song. Klingt ein wenig orientalisch. Ganz geil. "Darkness With Me" dagegen fließt so an mir vorbei, ohne dass was hängen bleibt. Mit "Donja" dagegen hat sogar GRAI mich im Sack. Wie üblich höre ich Alben immer drei Mal, bevor ich ein Review schreibe. Hat man sich erst einmal fallen gelassen und den Folk Metal aufgenommen, dann stellt man fest, dass dieser Song einen begeistern kann. Das Drumming klingt sehr metallisch und ist auch mal ein wenig schneller unterwegs, betont aber auch gewisse Stellen und drückt ordentlich. Hier kommt besonders der elfenhafte Gesang in Kombination mit dem Riffing gut durch. Allgemein der Wechsel zwischen der Härte des Metal und der Verträumtheit und Mystik des Folks wird hier ganz deutlich. Guter Song, der beste meines Erachtens auf dem Album.

Härter und groovender und wesentlich metallischer geht es dann bei "Tread Of Water" zur Sache. Der ist bangfähig, und die beiden Grazien Irina und Aliya vefeinern den Growlgesang, der den Song beherrscht. Da hat sich der Metaller in der Band durchgesetzt. Aber so richtig knallen oder drücken ist etwas Anderes. Titelsongs erwartet man ja immer mit einer gewissen Spannung, und so legt "Ashes" mit ordentlichem Riffing und METALLICA-lastiger "One"-Doublebass los. Der Song ist überwiegend akustisch und drückt ordentlich. Nicht schlecht. Sehr ruhig und klassisch geht es dann mit "Shade" weiter. Recht progressiv, mir ist es dann zuviel des Guten. "Fortress" gefällt mir dagegen schon wieder viel besser. Besonders dieser mystische Anfang gefällt mir, er könnte locker aus "Der Herr der Ringe" sein oder so. Mit Cleangitarre geht das Treiben los. Der Song lässte die russische Seele baumeln und lässt mehr die Folkseite der Band raushängen. Besonders die Wichtigkeit des Gesangs kommt hier zur Geltung. Akustik hat diese Kombo echt drauf. "Farewell" ist dann wieder so ein Song, der absolut typisch für GRAI ist, mich aber nur wenig berührt.

Auch GRAI verschließen sich nicht der Außenwelt und covern. "...Pit Threontal" klingt sehr geil. Kommt im Original von ROTTING CHRIST. Auch keine Band, die ich dauernd höre. Ist Ewigkeiten her, somit kann ich keinen Vergleich zum Original anstellen. Allerdings kann ich sagen, dass diese Version sehr geil klingt und Laune macht.

Fazit

Ich habe bis dato weder was von der Republik Tatarstan, noch von GRAI gehört, aber die Band hat mir wieder mal bewiesen, dass es sich lohnt, seinen Horizont zu erweitern und dass ich altersmilde werde, hehe. Wirklich gut gemachter Folk Metal. Wer auf diese Art von Mucke abfährt, sollte sich "Ashes" definitiv zulegen.

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