Fuelinject - MMXIII

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 7/10

Fuelinject - MMXIII

Unterschätze niemals die dunkle Seite des Undergrounds. Glaubte man gestern noch, man sei ein mittelmäßig belesener Metalhead, den nichts mehr wirklich umhauen kann, kommt heute schon ein Newcomer irgendwo aus der Pampa und belehrt das angekrustete Ego eines besseren. FUELINJECT kommen aus Friedberg bei Marburg, das liegt in Hessen. Was mir gerade in den Sinn schießt: in ähnlichem Maße, wie Fußballvereine mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben, scheint die ländliche Metalszene sich eher auszuweiten. Ich werte das als große kulturelle Errungenschaft. FUELINJECT jedenfalls gibt es seit 2007, und außer einer Compilation namens "Neckbreaker" von 2009 haben sie bis jetzt nur die EP "MMXIII" veröffentlicht. Die Konzentration auf Live-Auftritte und die eklatante Vernachlässigung von kaufbarem Material mag vielleicht dafür mitverantwortlich sein, dass die Band überregional bisher nur wenig Fuß fassen konnte.

So richtig verstehen kann ich das eigentlich nicht. FUELINJECT legen auf "MMXIII" moderne, zeitgemäße Mucke vor, die sich wirklich nicht zu verstecken braucht. Die Jungs spielen hauptsächlich Thrash Metal mit einem ganz gehörigen Hang zum Groove. Manche Songs sind schon fast erschreckend tanzbar, das kriegt man wirklich nicht oft geboten. Gleichzeitig klingen aber auch viele Anleihen an den Death Metal mit durch, vor allem das speedgespeiste Schlagzeug (wenn es nicht gerade groovt), und schöne Soli bekommt man on top geboten. Eine gesonderte Erwähnung sind auch die ruhigen Gitarren-Interludes wert, die schön elaboriert um die Ecke kommen. Gesangsmäßig ist Peter ein fieser Shouter, der neben der thrashigen Hauptstimmlage auch tiefere Growls beherrscht. Ich glaube, wenn man nicht gerade ein Purist ist, bietet diese Musik viel für Fans von Thrash, Death und Core. Die moderneren Elemente sind eben nicht zu leugnen.

"Land Of Greed" geht zum Beispiel direkt mit einem Gitarrenintro los, das ein wenig an SYSTEM OF A DOWN erinnert. Ziemlich abrupt jedoch driften wir in die schnelleren, thrashigeren Gefilde, die Serj Tankian und Co. blass aussehen lassen. Der Opener ist an sich schon ziemlich stark. Was mich aber stört, sind die eingestreuten Blastbeats, die sich nicht so recht in den Sound fügen wollen. Hier klingen sie aufgesetzt und leicht verstolpert. Neben solchen Schönheitsfehlern gibt es an "MMXIII" eigentlich nichts zu meckern. Ich verorte die Band in eine recht ähnliche Richtung wie CONTRACRASH und ähnliche Vertreter des modernen Metal. Die Grooves gehen in eine ähnliche Richtung wie etwa AUSTIN DEATHTRIP, lässt man die stärkere Core-Ausrichtung der Oldenburger kurz beiseite. Die stimmliche Ähnlichkeit zu Buck Austin ist übrigens auch nicht von der Hand zu weisen.

Fazit

Eine ziemlich ordentliche Platte, die da in Hessen ausgebrütet wurde. Für Puristen ist die EP nur bedingt zu empfehlen, da sie zu viele "Rein-Metal"-fremde Anleihen enthält. Wer sich allerdings drauf einlässt, bekommt ganz üble Kopfnick- und Ohrwurm-Grooves eingehämmert, die wirklich Lust darauf machen, diese Hessen einmal Live zu sehen. Ich glaube, wenn die letzten Nickeligkeiten ausgemerzt sind und die Struktur ein konsistentes Bild abliefert, können FUELINJECT ziemlich durchstarten.

Zurück

Einen Kommentar schreiben