Fuelinject - Accusation & Verdict

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 8/10

Fuelinject - Accusation & Verdict

Knapp über ein Jahr ist es jetzt her, dass ich die EP "MMXIII" der Marburger Thrasher FUELINJECT bewerten durfte. Damals fand ich die Mucke schon groovend und kopfnickverdächtig. Anno 2016 veröffentlicht das Quartett wieder eine EP, wieder in Eigenregie. Mit leichter Verspätung ist die am 9. Juni bereits erschienene Scheibe "Accusation & Verdict" im Redaktions-Emailpostfach angekommen - eine Selbstverständlichkeit, dass ich mir das Ding für ein paar Durchläufe zu Gemüte führe und einige Zeilen dazu schreibe.

Im Großen und Ganzen hat sich seit dem letzten Mal nichts großartig verändert. Das Lineup ist erfreulicherweise gleich geblieben, zeigt eine klassische Viererbesetzung mit zwei Gitarren. Auch die Mucke besinnt sich auf die im Vorgänger gezeigten Stärken. Der fixe Thrash mit Ausflügen in den Death Metal (der sich vor allem im doppelfußlastigen Schlagzeug und den Riffs und Hooks der Lead Bahn bricht) groovt immer noch wie Sau. Wenn allerdings auch der zugrunde liegende Sound immer noch modern bleibt, wurden die als modern geltenden Elemente wie Breakdown-Riffs etwas zurückgefahren, wenn ich mich nicht irre. Erst im letzten Drittel der Platte kommen diese etwas mehr zum Tragen ("Apostasy"). Die Starthürde hingegen wird gekonnt mit dem Titeltrack "Accusation & Verdict" als Eröffnung genommen. Besonders das Riffing ist dieses Mal ziemlich lecker geraten, hält zwar dem Thrash immer noch deutlich mehr die Stange, kann aber auch mit einigen schönen Death-Licks und Riffs überzeugen. Sogar kleine Auflüge in Richtung neoklassischer Melodieführung wagen sie, und damit kann man mich ja immer kriegen.

Die nachfolgenden Tracks schaffen Abwechslung. Der Groove, der auf "MMXIII" noch ziemlich präsent war, wird nicht überstrapaziert, bekommt aber im zweiten Track "Death At Sea" viel Raum. Das passt wie der Arsch auf den sprichwörtlichen Eimer. Die verschiedenen Stilelemente treten eben mal in den Vordergrund, und mal halten sie sich vornehm zurück. Drums und Stimme bilden dabei eine homogene Leitlinie. Peter ist jetzt kein Ausnahmetalent, braucht sich aber auch nicht zu verstecken. Die beim Vorgänger von mir noch teils kritisierten Drums sind aber der größte Qualitätssprung. Das variantenreiche Schlagzeug mit klassischem Vierviertel, Uftatas, Skanks, vereinzelten Blasts und vorwiegend temporeichem Doublebassspiel fügt sich nun harmonisch in die Songstrukturen ein und kann auf ganzer Linie überzeugen.

Ein Haar finde ich jedoch in der Suppe, hier muss ich ein Wort zur Produktion verlieren. Vocals, Snare und Bassdrum (die dadurch leicht plastiziös klingt) bekommen viel Scheinwerferlicht ab, während vor allem die Leadgitarre manchmal Mühe hat, mitzuhalten. Man muss schon den Regler ein Stückchen aufdrehen, wenn man sie voll genießen möchte. Der größte Verlierer allerdings sind die Becken, die ein wenig untergehen, während Rhythmus und Bass besser wegkommen. Etwas ausgeglichener hätten die Lautstärken aufeinander abgestimmt sein dürfen, wobei das jetzt kein wirklich großes Manko ist. Im Gesamtbild ist der Fortschritt im Songwriting mir deutlich positiver aufgefallen.

Anspieltipps: "Accusation & Verdict", "Death At Sea"

Fazit

Konsequente Weiterentwicklung von Stärken bei gleichzeitiger Ausmerzung von Schwächen. Was? Verdammt, ist mir wieder so ein Akademikersatz entfleucht. Ich bin zu nüchtern. Kurz gesagt: "Accusation & Verdict" ist besser als sein Vorgänger. Darf man sich für lumpige sechs Euronen ruhig mal zulegen, die Scheibe. Nach wie vor moderner Death / Thrash, der mich soweit überzeugt hat, dass ich die Platte gleich mal öfter rotieren lasse!

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