Doomed - Our Ruin Silhouettes

von Wilke F.

Bewertung: 8/10

Doomed - Our Ruin Silhouettes

Es ist noch gar nicht lange her, genauer gesagt war es im Dezember letzten Jahres, dass das Reaperzine "The Ancient Path" von DOOMED zum Rezensieren vorliegen hatte. Das Album war zu dem Zeitpunkt bereits zwei Jahre gereift und traf prompt den Geschmack unseres Chefredakteurs. Pierre Laube hatte eine Death/Doom-Scheibe abgeliefert, die ohne große Probleme dicke Punkte absahnen konnte. Zurecht, denn "The Ancient Path" bietet an Schwere, atmosphärischer Dichte und technischer Raffinesse alles, was das Herz eines Todesdoomers noch langsamer schlagen lässt. Das tonnenschwere Debütalbum erschien damals im März 2012 und bekam schon im Dezember des gleichen Jahres einen würdigen Nachfolger mit dem Titel "My Own Abyss". Bedenkt man, dass Pierre Laube mit der Band P.H.A.I.L. eigentlich auch alle Hände voll zu tun hat, ist das schon ein enormer Output des Zwickauers, der bei DOOMED alle Instrumente selbst einhämmert. Auch auf die dritte Langspielscheibe musste man nicht lange warten. Im April 2014 erschien über Solitude Productions "Our Ruin Silhouettes". Das ging schnell... zu schnell für die Doom-Welt? Sieben Tracks mit einer Gesamtspiellänge von knapp einer Stunde, genäht mit viel zu heißer Nadel?

So manch ein Doomfreund mag jetzt tiefe Falten des Zweifels auf die Stirn gemeißelt haben, denn derart verflucht schnell kann man keinen guten Doom produzieren, oder? "Oh doch!" schallt es vehement aus den verranzten Stereoboxen, und DOOMED untermauert dies mit mordsschweren Riffs. Und auch ich stehe mit dem Bügeleisen bereit und glätte gerne wieder die Stirn besorgter Metalheads: "Our Ruin Silhouettes" bietet die gewohnt gute Qualität von melodischen, düsteren Death-Klängen in malmender, gewichtiger Langsamkeit. Jeder der sieben Tracks ist ein leidenschaftlich komponierter Brocken tiefschwarzer Verdammnis, der sich in einem Zuber voller Hirn zersetzender, zähflüssiger Agonie windet. "When Hope Disappears" beginnt höchst atmosphärisch mit Mönchsgesang und unheilsschwangeren Glockenschlägen, um dann mit tiefstem Riffing die Finsternis über den Zuhörer einbrechen zu lassen. Die Deathgrowls schmirgeln sämtliche Unebenheiten des adressierten Trommelfells hinweg, als wären in der Kehle des Sängers Stimmbänder aus Schleifpapier mit 10er Körnung. Massiv stampft und walzt der Song aus der Anlage und gewährt nur kurz einen lichteren Moment bitterer Melancholie. Die Bedrohung unabwendbarer Verzweiflung schwingt dabei gespenstisch in jedem der mindestens sechseinhalb Minuten langen Songs mit. Auch "A Recurrent Dream" macht da keine Ausnahme, wenngleich man hier einen deutlich tieftraurigen Einschlag in Richtung Funeral heraushören kann. "Revolt" sticht hervor durch seine teils gehauchten Vocals, aber auch sonst fehlt es "Our Ruin Silhouettes" nicht an Abwechslung. Für "When Hope Disappears" und "The Last Meal" holte sich Pierre Laube sogar Gastmusiker an Bord.

In einer Hinsicht muss ich dem Autor unseres voran gegangenen Reviews allerdings widersprechen. Der Sound von DOOMED lässt sich nicht nur gut in einsamen, kalten Winternächten hören. Nein, ich würde sogar eine dieser schwülwarmen mondlosen Sommernächte bevorzugen, in denen man eh kein Auge zubekommt. Bewaffnet mit einem Humpen eiskaltem Schwarzbier und guten Kopfhörern kann man sich sodann genussvoll ganz der Morbidität dieser Scheibe hingeben. Mit geschlossenen Augen spürt man dann mit einiger Sicherheit sinistres Ektoplasma in Zeitlupe die Wand herunter laufen.

Fazit

Death und Doom verschmelzen auch auf dem dritten Ableger von DOOMED zu einer harmonischen Symbiose purer Finsternis. Für Downtempo-Fetischisten mit Hang zur Morbidität ein gefundenes Fressen. Solide deutsche Wertarbeit, die irgendwo zwischen HOODED MENACE, AHAB und WORSHIP liegt. "Our Ruin Silhouettes" gehört definitiv in jede Sammlung eines Todesdoomers.

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