Devastator - The Throne Belongs To Us

von Rüdiger Vinschen

Bewertung: 9/10

Devastator - The Throne Belongs To Us

Die Werftliegezeit ist rum: Das Schlachtschiff DEVASTATOR mit Heimathafen Hamburg läuft wieder auf große Fahrt aus und lädt seine Kanonen mit seinem neuesten Full Length: Die Platte mit dem vielsagenden Titel "The Throne Belongs To Us" wird am 17. März erscheinen. Für den ersten Release seit vier Jahren konnte ein Deal mit Kernkraftritter Records erbeutet werden, nachdem die Vorgänger "Beyond Massacre" und "Through Oceans Of Flesh" ohne Labelunterstützung veröffentlicht wurden. Wenn man, wie DEVASTATOR, auf eine mittlerweile fast fünfzehnjährige Bandgeschichte zurückblicken kann, dann darf man auch Anspruch auf den Brutal Death-Thron erheben, zumindest den von Hamburg. Wenn man allerdings derart markige Sprüche bringt, muss man auch liefern. Ich habe aber keinerlei Bedenken, dass den fünf Hamburger Jungs das gelingen wird. Bisher haben sie ausschließlich überzeugendes Material geschaffen, und auch "The Throne Belongs To Us" wird da sicher keine Ausnahme machen.

DEVASTATOR haben sich neben einer gewissen Vorliebe für schwimmende Stahlgiganten ganz der brutalsten Death Metal-Spielweise verschrieben, das heißt, es wird geblastet, geshreddet und gegrowlt, und zwar was das Zeug hält. Cover und Intro kann man dazu im Einklang als Auftakt sehen, beide sind richtig schön martialisch geworden. Das Intro lasse ich gern bei aufgedrehtem Lautstärkeregler laufen, auch wenn die Kanonenschüsse eine Spur zu dumpf geraten sind. Gar nicht dumpf ist aber dann der Einschlag des Openers, der gleichzeitig der Namensgeber des Albums ist. Beste Death Metal-Kost erwartet uns, das kann man einfach nicht anders sagen. Alleine der Refrain ist - mit lediglich einer Zeile - extrem einfach mitzusingen und geht so richtig schön ins Ohr. Dazu gibt's rasierklingenscharfe Riffs, die sich mit allem messen können, was von den Besten des Genres so zustande gebracht wird. Der längste Song des Albums verlangt vor allem Eggi wieder alles ab, der sich die Beine wegblastet und nur ab und an mal eine kleine Bridge zum Verschnaufen bekommt. Wenn gerade nicht der Blastbeat knattert, wird meistens die Doublebass malträtiert. Wolf und Carsten machen einen eins A Job, konterkarieren das dahineilende Schlagwerk mal mit fixem Shredding, mal mit langsameren Riffs, die aber immer passgenau vermessen sind.

Beim folgenden "Unleash Your Ardent Longing" gefällt mir vor allem das Intro mit dem abgehackten Text und den Drums, die zunächst ebenfalls pausieren, um dann im zweiten Takt durchzublasten. Das sind genau die kleinen, aber feinen Ideen, die "The Throne Belongs To Us" sehr kurzweilig machen. "Dread And Horror, Washed Ashore" wird dann so melodisch, wie DEVASTATOR jemals werden, also geringfügig. Die zwei Gitarren werden meist im Doppel verwendet und Nick legt seinen Bass drunter, um möglichst viel Druck zu erzeugen. Brutal Death Metal hat eben mächtig zu klingen, und dass das live gut funktioniert, durfte ich schon ein paar Mal am eigenen Leib erfahren. "Crushing Down" gefällt sehr mit seinem markanten Hauptriff, das mich immer irgendwie an NILE denken lässt, und einem fiedeligen Solo. "Against Overwhelming Odds" haut da in die gleiche Kerbe.

Richtig genial wird es aber dann bei "Pork", der eigentlich auch "Lennys Song" heißen könnte, und mit dem eben genannter Frontgrunzer sich quasi selbst ein Denkmal setzt. Lenny hat ja einen ganz eigenen Stil entwickelt, verwurstet in seiner Performance nicht nur oft und gerne Pigsqueals (die selbstverständlich im "Pork" schön zum Tragen kommen), sondern growlt und gebärdet sich wie wild in nahezu jeder Facette hasserfüllten Vokalausdrucks, wandelt auch mal an der Grenze zum Klargesang, oder wird (ich greife hier mal auf "The Urge To Decimate" vor) völlig wahnsinnig und skandiert atemlos ein Mantra der Zerstörung. Das hebt die Gruppe von den sonstigen Thronanwärtern schon ziemlich ab, aber auch bei der Imstrumentenfraktion ist einiges los. Es ist egal, welchen der zwölf Songs man anspielt, da findet sich immer was Geiles, hier brennt nichts an, hier wird's nicht langweilig. Der Bass bekommt einen Solo-Auftritt zu Beginn des besonders in den Riffs brettstarken "Of Hatred And Void", das das Tempo mal ausnahmsweise ein wenig drosselt und dadurch fast schon altschwedisch wirkt. "Creation's Crowning Glory" ist von ähnlicher Machart, aber wieder intensiver und maximal sarkastisch-misanthrop.

Wer auch mal mit dem Grind liebäugelt, dem werden die einsibigeren Songs zusagen, "76" sticht hier natürlich heraus, da es mit Volldampf einfach mal vorbeigerauscht ist, noch ehe man in der Lage ist, den Kopf dreimal zu schütteln. Oder nehmt "You Are Not What You Pretend To Be And Everyone Knows It, Especially You", dessen Titel niederzuschreiben fast länger dauert, als der Song spielt. Kurzum, von "The Throne Belongs To Us" bis zum wieder vergleichsweise ausladenden Abschluss "The Urge To Decimate", DEVASTATOR führen ihr Equipment und ihre Fähigkeiten bis an die Schmerzgrenze heran, kreieren mit ihren extrem brutalen, aber auch extrem hörbaren Songs eine Death Metal-Granate fettesten Kalibers, bewahren sich dabei aber ein gewisses Maß an Variabilität. Kollege Eden hat ebenfalls ein Review hierzu verfasst, für ein bisschen hintergründiges Fachwissen, was Vorbilder und vergleichbare Künstler angeht, seid Ihr bei ihm bestens beraten. Ich stimme mit ihm darin überein, dass man erst einmal was besser machen muss als das Fünfergespann, das mittlerweile mit Fug und Recht zu den Grundfesten der Hamburger Extreme-Bands zählt.

Anspieltipps: Oje, viele. "The Throne Belongs To Us", "Unleash Your Ardent Longing", "Dread And Horror, Washed Ashore", "Pork" und "Of Hatred And Void" sind die Top Five, nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Fazit

Diese Bombe schlägt ein wie eine...Mist. Verformuliert. Ja, Scheiß drauf, DEVASTATOR sind geil. Punkt. Außerdem alternativlos. Wer auf richtig heftigen Death Metal steht, wird hier auf keinen Fall enttäuscht. Das Material verspricht auch live wieder feinste Kopfabschraubung. Ha, Eggi verausgabt sich an den Drums bei einem Gig nach eigener Angabe ja immer dergestalt, dass er nicht noch einen weitereren Song spielen könnte. Bei der feinen Arbeit an Äxten und Mikro dürfte es den anderen vier nicht anders gehen. Mir hat mal jemand gesagt, das Umwerfende an CANNIBAL CORPSE sei, dass Dich die Soundwand einfach wegbläst, die Finger auf den Griffbrettern aber dabei total technisch hin und her sausen. DEVASTATOR haben das auch drauf. Überzeugt Euch davon. Härter wird der Penis des heiligen Saint Fuckface auch nicht.

Zurück

Einen Kommentar schreiben