Außerwelt - Transitions

von Wilke F.

Bewertung: 9/10

Außerwelt - Transitions

Knapp drei Jahre ist es her, dass "Our Lives Out Of Balance" von AUßERWELT zur Rezension auf meinem Tisch landete. Mit dieser EP gelang es der fünfköpfigen Band aus Münster, mittels einer ansprechenden Mischung aus Black und Post-Metal mein Herz im Sturm zu erobern. Damals gefiel mir besonders das ausgeklügelte Spiel mit der Dynamik wechselnder ruhiger Parts und durchaus sehr druckvollen Passagen. Kritikpunkte gab es nur sehr wenige. Seit einigen Wochen ist nun ihr erstes Langeisen draußen. Das Debütalbum "Transitions" ist digital über Bandcamp verfügbar und auch als Compact Disc zu erwerben. Letztere kleidet sich in ein stilvoll gestaltetes Digipak mit handgezeichneten Illustrationen, die stark an die technischen Zeichnungen Da Vincis erinnern. Ob "Transitions" musikalisch noch eine Schippe drauflegt, erfahrt Ihr in den nächsten Zeilen.

Meine berühmte Faustregel für den Umfang eines guten Doom-Albums gilt natürlich auch für artverwandte Musik, insbesondere für postmetallische Produktionen: Man braucht im Grunde nur vier gute Tracks mit einer ordentlichen Spieldauer, die sich genug Zeit für die Entfaltung nehmen. AUßERWELT scheinen dieses Rezept gut zu kennen: Vier Songs, bei denen der kürzeste sechs Minuten und 43 Sekunden misst, werden bei einer Gesamtspieldauer von etwas über einer halben Stunde geboten. "Isolate The Sun" eröffnet die Scheibe eindrucksvoll und ist, genetisch gesehen, eher in der Black Metal-Ecke zu finden. Der Opener bringt direkt eine Menge Druck mit und wird dabei unterstützt durch griffige, melodische Elemente. Es fällt auf: Die Produktion ist durchweg wieder sehr sauber, die Instrumente gut herauszuhören, wenn nicht sogar noch einen ganzen Ticken besser als auf der EP. "Vernal Equinox" ist insgesamt etwas ruhiger und greift wieder das bewährte Konzept des wellenartigen Spiels mit der Dynamik auf, welches auf "Our Lives Out Of Balance" bereits gut punkten konnte. Postmetallische, ruhigere Passagen mit wundervollen Melodien umgarnen das Ohr und bieten einen Moment der Ruhe, bevor es wieder mit jeder Menge blackmetallischer Furiosität über einem hereinbricht. Das geschieht alles ohne songwriterischen Bruch, fließend und gekonnt. Auch die cleanen Vocals wissen zu gefallen und werden später ergänzt und vermischt mit den garstigen Screams, wodurch eine interessante Mehrstimmigkeit entsteht.

Weiter geht es mit dem Song "Lights", der eine epische Charakteristik an den Tag legt und mit seinen hymnenartigen Momenten Gänsehaut zu zaubern versteht, während man auf lyrischer Ebene der Schönheit gewaltiger, elementarer Kräfte erliegt, angesichts derer die Menschheit zum kümmerlichen Spielball wird. Und auch wenn das Dynamik-Konzept hier wieder ein ähnliches ist, unterscheidet sich "Lights" doch enorm von seinen Vorgängertiteln auf diesem Album. Spätestens an dieser Stelle wird einem die Vielschichtigkeit von "Transitions" bewusst. "Aphotic" folgt "Lights" auf dem Fuße. Inhaltlich sind es die zwei Seiten einer Medaille. Dem ehrerbietenden Feiergesang auf die Zerstörungskraft elementaren Lichts folgt der Fokus auf die sich in Agonie windenden menschlichen Reste, die sich dem unabwendbaren Schicksal in der Lichtlosigkeit ergeben müssen. Um atmosphärische Dichte in den Song zu bringen, arbeitet AUßERWELT mit selbst gesprochenen Samples und findet dafür das richtige Maß. Spannend ist hier auch die mittig platzierte, kontrastreiche Konfrontation feiner, nahezu zerbrechlich wirkender Gitarrensounds, die dem Bass mit seinem drohenden Grollen in den ruhigeren Abschnitten gegenüberstehen, bevor letztlich alles im Finale Grande gipfelt.

Fazit

AUßERWELT ist es mit "Transitions" gelungen, ihre gute EP zu übertreffen. Man hat beim Hören das Gefühl, dass an jeder nur denkbaren Stelle soundtechnisch gefeilt wurde. Die Songstrukturen zeigen sich abwechslungsreich, ästhetisch und komplex. Was eh schon gut war, hat sich nun noch weiterentwickelt, und sogar mein ganz persönlicher Kritikpunkt vom letzten Mal wurde aufgenommen: Bis auf zwei Zeilen sind die Lyrics komplett in englischer Sprache gehalten, was letztlich deutlich homogener wirkt. Auch haben sie sehr gut daran getan, nun einen Drummer aus Fleisch und Blut in ihrer Mitte aufgenommen zu haben. Ich bin sehr gespannt, wie sich der Weg von AUßERWELT noch entwickelt. Ein beeindruckendes Debütalbum ist ihnen auf jeden Fall gelungen.

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