Keitzer

von C. Lommer

Keitzer

Lommer: Moin zusammen, schön, dass es mit dem Interview klappt. Ohne lange zu reden, will ich auch gleich anfangen: Wo kommt Ihr her, was macht Ihr für Musik?

Nico: Also, wir kommen alle ursprünglich aus einem kleinen Ort an der holländischen Grenze namens Stadtlohn, wo wir begonnen haben mit KEITZER. Ich bin allerdings ein Nachzügler, ich bin seit 2008 dabei, vorher habe ich mit Christian und Tim unter ANDROPHAGOUS gespielt. Zur Musik: Früher ging es eher in die Richtung Grindcore, jetzt ist es mehr Deathgrind. Der Death Metal-Anteil hat mit der letzten Scheibe "The Last Defence" stark zugenommen und wird es mit der  neuen Scheibe "Ascension", welche nun Ende Oktober bei F.D.A. rauskommt, noch mehr.

Micha: Unsere erste Platte hat sich so an alter Bremer Schule orientiert. Einigen sagen vielleicht noch Bands wie zum Beispiel MÖRSER was, und das war unser Startpunkt.

Lommer: Großartig, MÖRSER. Da sagst Du was. Ein ganz spezieller Teil an Musik. Speziell ist auch die Musik von Euch, die zwar ordentlich knüppelt, aber nicht ohne Sinn und Verstand ist. Leider geht das Publikum nicht in wahnsinnigen Moshpits ab, sondern hört nur gebannt zu. Wie kommt es, dass Ihr gerade diese Form der Musik macht?

Nico: Da gibt es ja diese Standard-Antwort: Wir machen einfach diese Songs. Wir setzen uns nicht hin und sagen, wir schreiben jetzt mal einen klassischen Grindcore-Song, oder einen Death Metal-Song. Wir setzen uns einfach zu Hause hin, und dann spielt man ein bisschen, und so entstehen dann die Songs. Die werden dann im Proberaum vorgestellt, und entweder werden die abgenickt, oder die werden verworfen.

Lommer: Ihr habt ja auch schon fleißig Songs geschrieben und wart auch schon im Studio. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, wart Ihr wieder im Soundlodge Studio. Vorher habt Ihr aber in Bremen aufgenommen. Wie kam dieser Wechsel?

Micha: Also, für uns war es zu Anfang auschlaggebend, in dem Studio aufzunehmen, wo die alten MÖRSER-Platten aufgenommen wurden. Das war das Kuschelrock Studio in Bremen. Dirk hat dann irgendwann aufgehört, und wir sind dann zu dem ehemaligen MÖRSER-Gitarristen gegangen, der auch ein kleines Studio hat, und haben da unsere LP "Descend Into Heresy" eingespielt. Da waren wir leider im Nachhinein mit den Aufnahmen nicht wirklich zufrieden. Die Songs sind stark, nur der Schlagzeugsound ist nicht gut.

Nico: Wobei ich im Internet gelesen habe, dass einer sagte: "Also, die "Last Defence" ist ja schon gut, nur der Sound der "Descend Into Heresy" ist besser". So sieht man, wie die Geschmäcker auseinandergehen.

Micha: Für uns war es so, dass wir diesen Sound nicht nochmal haben wollten, und wir sind durch Internetrecherchen auf das Soundlodge Studio gekommen. Und das Aufnehmen war ein Traum. Es war wie Urlaub, zwar auch anstrengend, aber wir haben uns da absolut wohl gefühlt. Und das Ergebnis war Top!

Nico: Man muss auch mal den Unterschied hören, wenn man erstmal die "Descend Into Heresy" reinhaut, und dann die "Last Defence", das ist ein riesiger Unterschied.

Micha: Ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Nico: Hinzu kommt noch, dass wir uns bei Jörg abslout wohl gefühlt haben. Wir sind vorher hin und haben uns ein bisschen beschnuppert, das war so Februar / März in dem Jahr gewesen, und dann haben wir im November an zwei Wochenenden die CD eingespielt. Wir waren absolut mit dem Ergebnis zufrieden. Die Aufnahmen zur aktuellen Scheibe verliefen wieder top, und da man sich nun schon besser kannte, waren die Aufnahmen noch entspannter. Wir können nur hoffen, dass Jörg noch lange weitermacht, denn wir wollen nirgendwo anders mehr hin!

Lommer: Das ist natürlich auch ein riesiges Lob für Jörg!

Micha: Ich glaube, das hat er nicht nötig. (lacht)

Nico: Naja, Jörg ist bei den extrem Metal-Musikern auch beliebt. Zu Recht, da er einfach einen super Job macht.

Micha: Jörg ist auch menschlich ein guter Typ, der auch mal sagen kann: "Was machst du da? Mach das mal anders", was auch extrem weiterhilft. Was das Aufnehmen bei Jörg neben seiner Professionalität einfach total angenehm macht ist, dass wir uns mit ihm auf Anhieb sehr gut verstanden haben. Eigentlich wollten wir so schnell gar nicht wieder weg, aber unser Budget war nach zwei Wochenenden leider auf. (lacht)

Lommer: Zu Jörg fällt mir der schöne Satz ein: "Ist das Kunst, oder kann das weg?" Dass Kunst von Können stammt und Ihr auf jeden Fall könnt, habt Ihr ja schon häufiger unter Beweis gestellt. Leider sehen das nicht immer alle so, wie zum Beispiel letztes Jahr auf dem Berlin Deathfest. Jedenfalls kam mir das so ein bisschen von der Publikumsseite vor. Wie geht Ihr mit solchen Sachen um?

Simon: Um ehrlich zu sein, haben wir beim Berlin Deathfest 2015 zuvor keine großen Erwartungen gehabt, da das Lineup größtenteils aus der Brutal Death Metal-Liga bestand, und wir da mit unserer Musik hervorstachen. Umso überraschter waren wir, als wir doch reges positives Feedback bekommen haben, weil wir wussten, dass wir aus dem Rahmen fallen.

Nico: Das Ding ist auch, dass man auf der Bühne ja immer nur Ausschnitte von dem Publikum mitbekommt, und da waren wir alle vollends zufrieden. Auch bei den Videos hat man gesehen, dass die Leute begeistert waren und ihren Spaß hatten. Auch, wenn es keinen großen Moshpit gegeben hat.

Micha: Man muss auch unterscheiden zwischen einem Moshpit und der Resonanz, die vom Publikum kommt. Wenn wir einen Song zu Ende gespielt haben, war die Resonanz durchweg positiv.

Nico: Ich hatte auch das Gefühl, dass es während des Gigs die ganze Zeit voller wurde.

Keitzer

Micha: Dass wir nun auch nicht so die tanzbare Musik machen, ist ja kein Geheimnis, aber drei Akkorde zu spielen und dahinter einen Ufta-Beat zu packen, da kann sich jeder zu bewegen. Aber das ist in meinen Augen eine Form des Death Metal-Karnevals, und das hat nichts mit Prügeln zu tun.

Nico: Oder mit Konzert, so hat man den Eindruck. Wir haben in dem Jahr auch auf dem Deathfest in Andernach gespielt, und da war die Resonanz auch nicht schlecht, ähnlich wie in Berlin. Nach uns hat eine Slam Death Metal-Kapelle gespielt, und da war erstmal kompletter Karneval mit ihm hier (wackelt mit der linken Hand) angesagt. Jedem das Seine, aber ich habe schon das Gefühl, dass teilweise die Musik bzw. die Live-Perfomance nicht mehr so im Vordergrund steht und sich die Leute ernsthaft die Bands ansehen, sondern dies eher zur Nebensache geworden ist und es nur noch um Partymachen geht. "Metal Malle / Ballermann" beschreibt es da ganz gut.

Lommer: Schön ist es bei Euch zu sehen, dass Ihr die Shirts auch offen auf der Bühne tragt, welche Bands euch beeinflussen, und von denen Ihr auch selbst Fans seid. Um hier mal ein Beispiel zu nennen: MISERY INDEX.

Micha: Ich bin ein Riesen-Fan von denen, seit der ersten Veröffentlichung bin ich total begeistert von denen.

Lommer: Auch nach wie vor?

Micha: Hundertprozentig! Die sind immer noch einer meiner absoluten Favoriten.

Nico: Seit 2014, als die rausgekommen ist, höre ich "Killing Gods" immer noch rauf und runter, und ist ein fester Bestandteil in meinem CD-Player geworden, die ist einfach nur megafett!

Micha: Die schaffen es auch, zwei Welten miteinander zu kombinieren. Die machen keine klassischen Death Metal, aber auch keinen klassischen Grindcore. Die kombinieren die besten Elemente beider Stile, und das, was die machen, machen die auch geil.

Nico: Naja, MISERY INDEX sind bei uns halt auch ein stetiger Wegbegleiter, somit ist man davon auch selbstverständlich etwas beeinflusst. Trotz allem finde ich es nervig, dass es in Reviews immer heißt: "KEITZER ist der kleine Bruder von MISERY INDEX. KEITZER machen dann doch in meinen Augen wieder andere Musik als MISERY INDEX, da hinkt der Vergleich ein wenig...

Simon: Bei solchen Vergleichen ist es auch eher so, dass die meistens auch nicht auf das große Ganze hören, sondern sich nur bestimmte Parts rauspicken. Wie zum Beispiel bestimmte Doublebass-Parts, wo wir dann durchschroten, oder Mosh-Parts... Das sind dann auch eher Vergleiche, die dann für einen Käufer interessant sind. Also, dass man schon eine grobe Richtung hat, wonach die Musik in etwa klingt.

Lommer: Dann meine Frage an Euch, wie geil kann man denn noch sein?

Micha/Nico/Simon: (lachen) Dann warte mal die neue Scheibe ab, dann wirst Du es ja sehen.

Lommer: Ah, neue Scheibe, richtig! Was könnt Ihr darüber sagen? Wie heißt das gute Stück, und was kann man so an neuen Sachen erwarten?

Nico: Jau, die neue Scheibe kommt am 26.10.2016 bei F.D.A. raus und wird "Ascension" heißen. Die Scheibe hat 12 Songs und ist von der Spielzeit bislang unsere längste Platte. Wir sind mit der Platte mehr als zufrieden, und – Achtung, Klischee! – es ist definitiv das beste Material, das wir bislang abgeliefert haben. Der Death Metal-Anteil ist noch mal höher als auf der "Last Defence". Wir denken, dass wir unseren Ansatz von der "Last Defence" einfach weiterentwickelt haben.

Lommer: Ihr seid ja auch im Stall von F.D.A. Rekotz. Seit wann seid Ihr dabei, und wie kam der Deal zustande? Habt Ihr bei Rico angefragt, oder kam er zu euch? Und wie zufrieden seid Ihr mit der Zusammenarbeit? Ich stelle mir das schon geil vor, bei F.D.A. zu sein!

Nico: Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr genau. Rico hatte damals ja schon die letzte ANDROPHAGOUS rausgebracht, und so bestand ja auch der Kontakt, und er fand halt KEITZER von Anfang an geil. Als wir dann bei der "Descend Into Heresy" ein neues Label suchten, haben wir ihn gefragt, und er war sofort dabei. Wir sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden, Rico haut sich ja auch mächtig ins Zeug. Man kann das Label auch nicht mehr mit F.D.A. vergleichen, als z.B. die "Descend" rauskam. F.D.A. ist seitdem stetig gewachsen und hat sich ebenfalls weiterentwickelt. F.D.A. ist eine feste Größe für diese Art von Musik, und Rico hat einfach auch ein gutes Gespür für gute Bands. Wir fühlen uns dort sehr gut aufgehoben und freuen uns stets, wenn wir Rico und sein Team auf Festivals etc. treffen können und ihnen dann das Bier wegsaufen.

Keitzer

Lommer: Wenn ich das richtig gesehen habe, bringt Ihr Eure Alben bei F.D.A. als CD raus. Über ein anderes Label kommen dann Schallplatten. Wie kam die Entscheidung, noch Schallplatten zu veröffentlichen? Seid Ihr da auch selber Nostalgiker, oder macht Ihr das für die nostalgischen Fans? Und wie ist da der Absatz? Ich kann mir kaum vorstellen, dass in der digitalen Zeit noch groß Nachfrage nach Platten ist.

Nico: Wir haben immer schon auch LPs rausgebracht, zum einen sind Simon und Christian Plattensammler, und zum anderen macht so 'ne LP auch einfach mehr her als 'ne CD. Der Absatz ist in der Tat nicht groß, aber es gibt in der Szene noch genügend Fans, die auf LP schwören. Wir werden erstmal 'ne erste Auflage rausbringen, und falls die vergriffen sein sollte, werden wir sehen, ob wir nachpressen.

Lommer: Wie geht Ihr damit um, dass Ihr nun mittlerweile einen gewissen Status erreicht habt? Ihr seid ja keine Wald-und-Wiesen-Band mehr, sondern könnt schon auf einen anständigen Bandlebenslauf zurückblicken. Macht man da trotzdem noch Konzerte in irgendwelchen Scheunen mit?

Micha: Es gibt bestimmte Rahmenbedingungen, die schon erfüllt sein sollten, aber eigentlich spielen wir fast überall. Es sollten nur die Spritkosten reinkommen, was zu essen und zu trinken sollte drin sein.

Nico: Genau, wir spielen überall...solange die Kohle stimmt. (lacht) Mittlerweile gucken wir aber schon ein bisschen, was für eine Anlage bei Konzerten gestellt wird. Das hat eher praktische Gründe, da bei der "Last Defence" viele Doublebass-Parts sind, sollte das Schlagzeug vernünftig abgenommen sein. Sonst klingt das halt nicht.

Micha: Vor allem, wenn der Veranstalter Bock hat, 3.000 Euro Spritgeld zu bezahlen. (lacht)

Lommer: Was fahrt Ihr denn für ein Auto? Sprit ist im Moment doch ziemlich günstig?

Nico: Du musst halt bedenken, wir müssen auch mit fünf Autos fahren, und jeder von uns braucht ja auch einen Fahrer. Da kommt schnell was zusammen.

Simon: In der Regel ist es so, dass es uns halt wichtig ist, nicht draufzuzahlen. Beim Netherland Deathfest mussten wir leider draufzahlen. Aber das haben wir eher als Werbungskosten gesehen, da wir auch die drei Tage dableiben durften, und dann war das schon ok.

Lommer: Wo kommt eigentlich der Name KEITZER her? Leitet sich das in irgendeiner Weise von dem Begriff Ketzer ab?

Micha: Der Begriff stammt von einem Gitarristen, der damals bei uns gespielt hat (schönen Gruß an der Stelle an Claas Cynapolt), der ein riesiger Star Wars-Fan war und sich auch in dieser Welt bewegt hat. Und in diesem Rahmen fiel dann auch der Bandname IMPERATOR. Das fanden wir dann aber doch zu Metal, und EMPEROR gab es schon. (lacht) Wir haben uns dann überlegt, was machen wir denn jetzt mit diesem Namen, und sind dann im Holländischen gelandet, und da gibt es den Begriff "Keizer" für Imperator. Da haben wir uns dann die künstlerische Freiheit genommen und da noch ein T mit eingefügt.

Nico: Eigentlich ist ja auch nur wichtig, dass man einen Bandnamen hat, der geil klingt. (lacht)

Lommer: Die letzten Worte gehören Euch!

Nico: Vielen Dank, Lommer, für das Interview. Kauft die neue Scheibe, unterstützt Bands weiterhin durch Konzertbesuche, und vielleicht sieht man sich ja mal auf ein Bier. Für Konzertanfragen: KazikluBey@gmx.de

Zurück