Vorbericht: Wacken Open Air 2017

Es tut sich was im Wacken-Land

von Rüdiger Vinschen

Wacken Open Air 2017

Wie immer um den Jahreswechsel herum wird es Zeit für unseren Vorbericht zum Wacken Open Air, das wieder auf dem heiligen Acker in Wacken am ersten Augustwochenende stattfinden wird. Das Gros der auftretenden Bands für die 27. Auflage des norddeutschen Festivalgiganten steht bereits fest, lediglich vereinzelte Bühnenslots sind noch zu belegen. Doch auch abseits der Bühnen gibt es in diesem Jahr einige Besonderheiten, die wir hier für Euch noch einmal zusammenfassen.

Bereits direkt nach Ende des letzten W:O:As sorgten Thomas Jensen und Holger Hübner für einigen Wirbel, als sie eine Novelle der Preisgestaltung ankündigten. Bei den meisten Fans dürfte lediglich die Erhöhung des Ticketpreises von 190,-€ auf 220,-€ (inkl. VVK-Gebühr) hängen geblieben sein. Dafür wird ab diesem Jahr die Frühanreisegebühr, die bisher von den Montags und Dienstags anreisenden Festivalgängern entrichtet werden musste, wegfallen. Durch die höhere Attraktivität der frühen Anreisetage und durch den Einsatz eines neuartigen Informationssystems erhoffen sich die Veranstalter eine deutliche Entzerrung der Verkehrssituation und eine entspanntere Anreise. Eine weitere Vergünstigung betrifft die Duschcamps, bei denen Duschen und Spül-WCs fortan kostenfrei in Anspruch genommen werden können. Im Prinzip ist das eine Win-Win-Situation: die Gäste ersparen sich doppeltes Anstehen an Kasse und Duschcamp (sowie die Kosten), und der Veranstalter spart die Kassencontainer und Personal ein. Ob, wie im Vorfeld befürchtet, die Duschcamps dadurch überlaufen werden, wird sich noch zeigen. Womöglich wird mit einer erhöhten Kapazität gegengesteuert werden.

W:O:A-Baustelle Infield

Das neu gestaltete InfieldDoch auch im Infield hat sich bereits einiges getan. Nicht nur die Festivalbesucher haben sich jetzt zwei Jahre in Folge mit selbst für Wackener Verhältnisse extrem matschigem Boden herumgeschlagen, auch in die Kasse der Veranstalter reißt der Kampf gegen den Matsch mittlerweile große Löcher. Deswegen wurde im letzten Jahr bereits eine ganz erkleckliche Summe in die Hand genommen und das Gelände des Infields komplett neu modelliert. Das gesamte Areal wurde jetzt mit seichtem Gefälle zu einer großzügigen unterirdischen Ablaufrinne (sog. Rigole) hin angeordnet. Über ein ebenfalls unterirdisches Rückhaltebecken, das bei Bedarf noch leergepumpt werden kann, wird das anfallende Regenwasser in Zukunft deutlich besser in Richtung der Entwässerungsgräben abgeführt werden. Zumindest direkt vor den Hauptbühnen dürften damit die schlimmsten Schlammtaucher-Einsätze der Vergangenheit angehören, auch wenn das wohl die passionierten Mud Fighters traurig stimmen wird. Laut den Veranstaltern wird auch daran gearbeitet, die wichtigsten Knotenpunkte besser als bisher zu befestigen.

Das W:O:A aus der Luft (2016)Es gehört zur Natur von uns wohlstandsverwöhnten Menschen, immer zuerst auf den Geldbeutel zu schauen. Und auch, wenn der Anstieg des Ticketpreises deutlich ausfällt, ist der Mehrwert für den Besucher ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Daran ändert auch der im Vergleich zu den Vorjahren langsamer laufende Ticketverkauf nichts, anhand dessen einige ganz schlaue Hellseherpraktikanten den beginnenden Niedergang des W:O:A erkennen wollen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Berichts befinden sich noch einige tausend Festivaltickets im freien Verkauf, sodass wir zum ersten Mal in der Geschichte des Reaperzine im W:O:A-Vorbericht den Metaltix Shop verlinken dürfen, wo Ihr Euch den Festivalbesuch inklusive Camping zum Preis von 221,-€ (inkl. aller Gebühren, zzgl. Versand) sichern könnt.

Alice CooperDas Billing, das Ihr zu diesem Preis zu sehen bekommt, ist auch in diesem Jahr wieder nicht von schlechten Eltern. Jensen und Hübner bleiben ihrem Credo treu, einen bunten Mix aus allen Spielarten des Metal und Rock zusammenzustellen, bei dem Special Shows (z.B. von GRAVE DIGGER und EMPEROR) weiter eine wichtige Rolle spielen. Ein besonderer Fokus scheint in diesem Jahr auf dem in seiner zweiten Blütezeit befindlichen Death Metal zu liegen. Nicht nur sind etliche namhafte Death Metal-Bands vertreten, auch die kleineren Projekte kommen zum Zuge. So werden neben den wohlbekannten NILE, MORBID ANGEL und POSSESSED etwa auch das BOLT THROWER-Nachfolgeprojekt MEMORIAM vertreten sein, und besonders freut sich dieser Autor über die Verpflichtung von DAWN OF DISEASE, die nicht erst mit ihrem letzten Album "Worship The Grave" gezeigt haben, dass sie auf größere Bühnen gehören. Als Kontrastprogramm zur Heavy- und Hard Rock-lastigen Night To Remember am Donnerstag wird im großen Bullhead City Circus-Zelt erstmals eine Night To Dismember stattfinden, bei der sich dann Fans der härteren Gangarten tummeln können.

Marilyn Manson

VolbeatAuch die Wasteland Stage im Wackinger Village, bisher kaum als vollwertige Bühne anzusehen, erfährt eine Renaissance. Thematisch passend werden hier in Zukunft Industrial-, Death Rock- und NDH-Bands auftreten, wie etwa JOHNNY DEATHSHADOW, CYPECORE, STAHLMANN oder die als VÖLKERBALL-Nebenprojekt bekannt gewordenen HELDMASCHINE. So ziemlich sämtliche übrigen Genres werden wie immer ebenfalls in Wacken bedient. An bekannten Größen sind vor allem AMON AMARTH, GRAND MAGUS, ALICE COOPER, MEGADETH, EMPEROR, KREATOR, ANNIHILATOR und VOLBEAT zu erwähnen. Auch der in die Jahre gekommene MARILYN MANSON gibt sein W:O:A-Debüt, und die Prog-Ikonen FATES WARNING spielen ihren ersten Wacken-Auftritt seit 1993. Ob was für Euch dabei ist, erfahrt Ihr auf der offiziellen Homepage des Festivals. Bis Anfang August sind noch einige Bühnenplätze zu füllen, was in den kommenden Monaten auch noch passieren wird. Genauere Infos zum Open Air wie die Running Order, die Geländepläne und alles Weitere werden voraussichtlich wieder ab ca. Juni verfügbar sein. Bis dahin steigt natürlich bei den Fans die Vorfreude, die vielleicht auch bei einer der zahlreichen Warm Up-Parties zelebriert werden kann.

Fazit


Auch das W:O:A wird nicht günstiger. Mit 220,-€, die für ein Ticket fällig werden, ist das Festival spätestens jetzt in der Preiskategorie der teuersten Festivals Europas angekommen. Was trotzdem für Wacken spricht, sind die absolute Preistransparenz, da keine weiteren Gebühren anfallen (so wird bei anderen Festivals oft eine zusätzliche Camping-, Auto- oder Müllgebühr fällig), das Festhalten der Veranstalter an das Prinzip "Camping direkt am Auto" (trotz offensichtlicher Herausforderungen, die Fahrzeugmassen zu bewältigen), äußerst wenige Verbote und Vorgaben und selbstverständlich die unvergleichliche Wacken-Atmosphäre, die entgegen aller Unkenrufe immer noch spürbar ist und das Fest im Norden zu einer einzigartigen Erfahrung macht. Die Daheimgebliebenen können sich wie immer kurz nach Wacken auf unseren Bericht vom heiligen Acker und einige interessante Interviews freuen!

See you in Wacken - Rain or shine!

W:O:A Main Stages (2016)

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